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"Talkshows
an sich, finde ich ziemlich langweilig und doof. Wir
präsentieren sie sehr humoresk, machen uns über gewisse
Themen lustig und sagen ganz klar, darüber hätte man
lieber nicht talken, sondern die Klappe halten sollen. Deshalb wird
"Talk, Talk, Talk" von vielen Talkshow-Hassern heiss
geliebt."
Viele kennen Sonya Kraus primär durch die Sendung
"Talk, Talk, Talk" auf Pro 7. Wir haben mit der
Moderatorin nicht nur über das Thema "Famous"
getalkt.
Schaust du eigentlich selber viele Talkshows?
Nein. Ich kriege die Essenz, das Beste, die Creme de la Creme,
aufbereitet als Rohclip von meinen Redakteuren geliefert. Ich
schreibe anschliessend meine Texte selbst.
Gibt es Passagen in diesen Essenzen, die dich besonders zum
Lachen bringen?
Es gibt Sachen, über die ich mich immer noch amüsieren
kann. Zum Beispiel diese typischen Machotypen. Ich finde es
unglaublich, dass sie noch nicht ausgestorben sind. Darüber
kann ich mich immer noch tot lachen. Ich finde Menschen interessant,
bin unheimlich tolerant, aber ich nehme mir gleichzeitig die
Freiheit, vor Dummheit keinen Respekt zu haben und einen Witz
über mich oder andere zu machen.
Warst du schon mal in einer Talkshow?
Ich war mal bei Arabella. Es ging darum zu erkennen: Männlein
oder Weiblein? Ich wurde davor stundenlang als Mann geschminkt,
hatte ungefähr drei Socken in der Hose, einen Bart und kurze
Haare und man hat mir trotzdem nicht abgenommen, dass ich ein Mann
bin. Dann war ich aber z.B. auch schon bei Kerner, der NDR Talkshow
und bei Riverboat.
Du bist ein Dauergast am Lifeball in Wien und bist recht
aktiv im Bereich Aids/HIV. Wann bist du das erste Mal mit dieser
Krankheit konfrontiert worden?
Als ich 18 war, habe ich ein halbes Jahr in Südafrika
gearbeitet. Da wurde ich von zwei Schwulen in einem Bed &
Breakfast liebevoll betreut. Sie waren auch sehr engangiert in der
Aids Foundation. Kurz nach dem ich zurück in Deutschland war,
ist einer der Beiden gestorben. Das hat mich sehr berührt.
Machmal bin ich geschockt, welch leichtsinnige Kommentare von der
Schwulenszene kommen - zum Beispiel wenn es um Barebacking geht. Da
erhebe ich schon mal den moralischen Mahnfinger. Ich kann nicht
verstehen, dass Schwule so auf die Ästhetik achten, aber nicht
genauso konsequent sind, wenn es um die Gesundheit geht. Auch in
"Talk Talk Talk" lasse ich immer wieder mal entsprechende
Bemerkungen fallen, wenn irgend ein Talkgast seine Einstellung zu
"Sex ohne Kondom" in einer Talkshow preis gibt.
Was hast du für Zukunftspläne?
Ich habe gerade in Deutschland mein Buch "Baustelle Mann"
veröffentlicht und das ist Nummer Eins Bestseller geworden. Das
bedeutet wahrscheinlich, dass ich meinen Sommer damit verbringe,
wieder fleissig Sätze in meinen Laptop zu hacken... Wir
sprechen gerade über das zweite Buch-Projekt. Ich bin am
Muttertag in Basel und stelle dort mein Buch vor. Meine Mutter wird
ganz enttäuscht sein, dass ich nicht zu Hause bei ihr bin...
Das ist wahrscheinlich der Nachteil deines Jobs...
Ja. Immer dann, wenn eine Freundin heiratet oder wenn etwas tolles
Privates los ist, muss ich arbeiten. Aber ich liebe meinen Job, also
kann ich mich da nicht beschweren.
Gibt es etwas, z.B. eine Traumrolle oder einen Job, das du
schon immer machen wolltest? Zum Beispiel Bond Girl spielen?
Nein. Und wenn schon, dann als alte Feministin. Ich wäre die
erste weibliche James, äh.., Jane Bond (lacht). Ich bin keine
Träumernatur. Ich konzentriere mich immer auf das, was ich
gerade mache, und das hundertprozentig. Aber wenn du schon so
fragst... Als Renterin hätte ich vielleicht gerne eine Sendung
wie "Herrchen gesucht", eine Tiervermittlungssendung.
Hast du schon mal an Kinder gedacht?
(stöhnt) Oooh, das ist ungerecht. Die Kerle können mit
einem letzten Tropfen noch eine ganze Herde von Kindern zeugen, und
wir armen Weiber müssen Anfang Vierzig die Schäfchen auf
die Welt gesetzt haben. Danach sind wir ein still gelegtes
Sumpfgebiet...
Okay, aber du hast jetzt die Frage noch nicht beantwortet...
Ich denke rational darüber nach. Emotional gesehen spricht mein
Uterus noch nicht mit mir.
War der Job als Moderatorin eigentlich schon immer dein
Traumberuf?
Nein, da bin ich einfach so reingeschlittert. Mein Traumberuf war
vielleicht mal Astronautin. Der Job als Moderatorin hat sich so
ergeben. Zuerst habe ich gemodelt, dann wurde ich Nachfolgerin von
Maren Gilzer beim Glücksrad auf Kabel Eins... Das eine hat das
andere ergeben.
Deine Moderationen sind lustig und du spielst auch
Comedy-Rollen. Hast du nicht Angst, dass man dich nur als Clown
wahrnimmt und dich deshalb nicht so ernst nimmt?
Es wäre für mich ein Albtraum, ernst genommen zu werden.
Ich nehme mich selbst nicht ernst, wieso sollte ich erwarten, dass
mich die anderen Leute ernst nehmen? Ich nehme auch den Job nicht so
ernst. Ich könnte nie sagen, das ist mein Beruf. Ich rede immer
von meinem Job. Und das ist gesund so. Es hält einen auf dem
Boden.
Man sagt ja, wenn man ein Promi ist, dann klappt eine
Beziehung nur dann, wenn der andere auch ein Promi ist...
Bei mir ist genau das Gegenteil der Fall. Mein Freund, mit dem ich
seit neun Jahren liiert bin, hat gar nichts mit den Medien zu tun
und legt absoluten Wert darauf, dass er raus gehalten wird. Er ist
halt ein Schlauer.
Ist er nicht manchmal eifersüchtig, dass du so in der
Öffentlichkeit stehst?
Nein. Wenn ich frage, ob ich das kurze oder das lange, das tief
dekolltierte oder das hoch geschlossene anziehen soll, dann sagt er
grundsätzlich: "Das kurze dekolltierte, bitte". Er
ist da sehr selbstbewusst und souverän.
Inwiefern trennst du Privates von der Öffentlichkeit?
Ich bin diesbezüglich ein sehr offener Mensch, man kann mich
alles fragen. Das Einzige, auf das ich achte, ist mein Freund. Von
ihm gibt es keinen Namen, kein Foto. Ich respektiere seine
Privatsphäre und das tut die Presse auch. Das ist der einzige
Punkt, wo ich meine Schnatterschnauze mal halte.
(juni 07 /lp)
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