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(20.01.10/lp)
Zur Zeit läuft der Film "Humpday" im Kino: Darin wollen zwei
Heteros für ein Kunstprojekt einen Gay-Porno drehen. Wir haben
mit der Regisseurin Lynn Shelton gesprochen.
gay.ch: Die Geschichte und die Figuren wirken sehr realistisch,
ja schon fast wie eine Reality-TV-Show. Liegt das an den
Schauspieler oder an der Kameraführung?
Lynn Shelton: Ich würde sagen, das liegt mehr daran, wie wir den
Film umgesetzt haben. Ich habe einfach eine Kamera aufgestellt
und sie eine halbe Stunde laufen lassen und wir haben spontan
die Szenen gespielt. Dadurch entstanden neue Situationen oder
Dialoge. Dann haben wir das Aufgenommene zusammen angesehen und
analysiert.
Der Film ist ja in den USA schon im Kino gewesen. Wie haben die
Hetero-Männer reagiert?
Es war schon so, dass viel mehr Frauen den Film gesehen haben. Ich glaube die Hetero-Männer hatten Angst... Sie wollten
wohl nicht wissen, wie die Geschichte ausgegangen ist, oder
hatten Angst davor.
Dann hat es schon was, dass die Amerikaner etwas prüde sind...
Das hat schon was: Die Amerikaner sind sicher eher prüde,
aber Männer haben wohl allgemein mehr Mühe mit diesem Thema,
wenn es um Sex unter Männer geht. Wenn es um ihre Fantasie, bei
Sex unter Frauen, dann sieht die Sache wohl etwas anders aus...
Wäre die Geschichte anders ausgefallen, wenn zwei Frauen im
Mittelpunkt gestanden wären?
Diese Frage hab ich mir gar nicht gestellt. Ich glaube, Frauen
wären gar nicht auf eine solchen Idee gekommen. Frauen können
zum Beispiel ohne Problem und Bedenken zusammen kuscheln - sie
gehen mit der körperliche Nähe ganz anders um. Das ist unter Männern
ganz anders, darum ist die Sache für sie eine ganz andere
Herausforderung.
Wie bist du dazu gekommen, selber im Film mitzuwirken?
Na ja, ich hatte die Rolle von dieser Frau, Monica, im
Kopf, aber wusste irgendwie nicht, wem ich diese Rolle geben
sollte. Mark, der im Film Ben spielt, hat mir gesagt, dass
ich sie eigentlich spielen könnte. Ich war zuerst unsicher, ob
ich die Regie UND gleichzeitig eine Rolle spielen könnte, aber
da ich durch ein anderes Projekt bereits eine kleine Rolle
gehabt habe, habe ich mich schliesslich entschieden, die
Rolle doch zu spielen.
Und wie stehst du persönlich zum Thema Pornos?
Sagen wir es so: Ich finde es eher eine "Männerangelegenheit".
Ich muss manchmal über gewisse Pornoszenen lachen und - Hand auf's Herz - das ist wohl nicht wirklich der Sinn eines Pornos
(lacht).
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