|

(21.10.09/mpi) Mit ihrem ersten Longplayer "Lungs"
hat Florence + the Machine nicht nur ein akustisches
Märchenbuch erschaffen, sie beglückte zugleich das
Schweizer Publikum am 17.10.09 im Mascotte, Zürich mit
einer Live-Darbietung ihrer morbiden
Geschichtensammlung.
Gay.ch hat es sich nicht entgehen lassen der Newcomerin
(die von Kritikern bereits als punkige Kate Bush
tituliert wird) in ihrer Tour-Residenz im Zürcher
Niederdörfli eine Besuch abzustatten und mit ihr über
ihre eigene kleine Welt zu sprechen.
Als erstes muss ich dich eine Standardfrage fragen.
Warum nennst du dich selbst "Florence + the Machine"?
Es ist nicht so dass die Band "die Maschine' ist. Ich
hatte den Namen schon bevor ich die Band hatte. Es ist
eine Art Wortspielerei zwischen mir und meiner Freundin
Isabella. Es dreht sich dabei um Computer; als wir in
unserem Schlafzimmer-Studio, der winzigen
Schuhschachtel, die Demos aufgenommen haben. Sie war
ständig am Computer und sie machte alle Aufnahmen,
spielte damit herum und ich sang oder schlug bloss an
die Wand. Sie sass immer am Computer, daher habe ich
auch den Namen genommen. Es musste einfach "Florence +
the Machine' sein.
Es scheint als wäre dein Album "Lungs" eine Art
Märchenbuch. Woher kommt die Affinität zu dieser Art von
Songwriting?
Ich habe viel gelesen als ich ein Kind war und war sehr
fantasievoll. Ich habe eine ziemlich düstere
Imagination, die mich selbst erschrecken kann. Manchmal
schlafe ich nachts immer noch mit Licht, weil ich
manchmal denke, (beginnt angsterfüllt zu wispern)
dass mir in der Ecke etwas auflauert (lacht).
Manchmal denke ich an schlimme Sachen, aber das ist halt
meine Art meine Fantasie zu benutzen. Vielleicht für
einen guten Zweck und nicht nur, um mich selbst nachts
zu erschrecken.
Ich hab irgendwo gelesen dass du am liebsten Songs
schreibst wenn du betrunken bist. Erzähl mir etwas
darüber.
(lacht) Ich denke ich war betrunken als ich das gesagt
habe. Im Studio zu sein hindert einen manchmal daran
richtig loszulassen und sich von all den Hemmungen zu
befreien. Und manchmal ist es gut richtig sauer zu sein.
Aber ich würde nicht sagen dass es unbedingt so sein
muss. Ich würde sagen dass es den Gedankenfluss ein
bisschen beeinflusst. Manchmal schreibst du dein bestes
Stück wenn du einen Kater hast, einfach weil du denkst (seufzt
und holt tief Luft), dass du dich jetzt einfach
überwinden musst. Und es kümmert dich nicht gross was du
machst, weil du dich eh schon komisch fühlst. Dann kommt
der Blickpunkt auf das Wesentliche schon von alleine.
Aber ich habe auch schon Songs die ich sehr mag in
völlig nüchternem Zustand aufgenommen. Ich würde also
nicht sagen dass man zwingend betrunken sein muss.
Wenn ich mir Songs wie "Girl With One Eye" oder "Kiss
With A Fist" anhöre, denke ich, dass in Florence
irgendwo noch eine wilde Seite steckt. Was macht dich
richtig wütend und aggressiv?
Ich werde schnell sauer auf mich selbst. Ich würde also
meine Aggressionen gegen innen richten. Wenn etwas
Schlimmes passiert dann sag ich mir: FUCK! Ich denke
dann OH MEIN GOTT! und werde richtig wütend auf mich
selbst. Ich bin eigentlich keine zornige Person …
(macht eine Pause und denkt nach) … wobei, ich habe
einen Ex-Freund von mir geschlagen.
Warum das?
Oh mein Gott, er war vor meinem Haus, mitten in der
Nacht… schreiend und ich (schreit kurz auf), ich
meine wir schrien uns gegenseitig an, also habe ich ihm
irgendwann eine reingehauen. Aber das ist wirklich die
einzige gewalttätige Sache die ich gemacht habe. Ich bin
eigentlich eine Pazifistin. Ich mag es nicht Gewalt
auszuüben, deswegen mache ich es in meinen Songs. Das
ist mein Ventil.
Mich nimmt es Wunder welcher Song dein persönlicher
Favorit ist. Mit welchem verbindest du ein persönliches
Erlebnis?
Es scheint als wäre "Cosmic Love" mein Lieblingssong,
der Aufnahmeprozess insbesonders. Das war nämlich DER
"Kater'-Song schlechthin! Das war das Lied, das aus
meinem übelsten Suff entstanden ist. Und ich wollte
nicht einmal ins Studio, aber Isabella wollte dass ich
komme. Also legte ich mich auf ihren Fussboden und der
Song kam wie aus dem Nichts. Er ist immer noch nirgends
niedergeschrieben, weil alles so schnell ging und der
Text plötzlich da war. Er hat sich quasi wie von selbst
geschrieben. Alle Akkorde sind so simpel aber die ganze
Sache kam einfach so zustande und ich war so froh, dass
ich danach sagte YEAH, LASS UNS NOCHMALS SAUFEN! (lacht)
Ich liebe den Song so sehr! Wir brachten ihn fertig! Es
dauerte etwa eine Stunde und wir brachten ihn fertig!
Und wir standen auf den Stühlen und rasteten völlig aus
(lautes Gelächter von beiden Seiten bricht aus).
Live performe ich "Between Two Lungs" am liebsten. Weil
ich dann realisiere dass der Song so ziemlich das
beinhaltet, was ich damals versucht habe zu erzielen.
Nicht die Studio-Version, aber live… ich wollte dass der
Sound einfach überwältigend klingt. Und ich denke live
kann man das echt gut umsetzen.
Du hast auch eine Menge Cover-Songs aufgenommen wie
bspw. "Hospital Beds" von The Cold War Kids. Ich frage
mich welchen ABBA-Song du covern würdest.
Interessante Frage… (denkt nach)… ich versuche
mich an einige zu erinnern. Der einzige der mir grade
einfällt ist (fängt an zu singen) GIMME, GIMME,
GIMME A MAN AFTER MIDNIGHT, WON'T SOMEBODY HELP ME CHASE
THE SHADOWS AWAY … aber es gibt noch düsterere. Welche
Songs sind noch von ihnen? Hilf mir.
Mamma Mia…
Nein…
Dancing Queen…
(blüht richtig auf) Oh ja, "Dancing Queen", ja
definitiv!! Ich LIEBE diesen Song!! Ich erinnere mich;
ich war 8 oder 9 Jahre alt als ich diese Polly Pocket
Disco hatte. Du weisst schon, Polly Pocket… diese
kleinen Spielsachen. Ich hatte Polly Pocket Disco im
Kassettenrekorder und auf der Compilation war "Dancing
Queen" drauf.
Du wirst heute Abend dein erstes Konzert im Mascotte
hier in Zürich spielen. Hast du Zürich schon besichtigt?
Nein, ich bin hier nur mal rumgelaufen. Es ist sehr
schön hier.
Und was hast du geplant um das Schweizer Publikum von
dir zu überzeugen?
Oh, ich werde mich verkleiden und versuchen einige
Geister auf der Bühne zu kanalisieren.
Also wird es…
Fiktiv! Ich will dass sich die Leute fühlen als wären
sie Zeugen eines Exorzismus-Rituals (lacht). |