|
(10.12.08/lp)
Philipp Fankhauser ist im Jahr 2008 der erfolgreichster
schwuler Sänger in der Schweiz. Falls du das intime Interview in
unserer Zeitschrift "gay.ch oooh!" verpasst hast, dann kannst du
es nun online nachlesen.
Die Plattenfirma meldete heute mit viel Freude:
"Eine Sensationsmeldung! Das aktuelle
Album "Love Man Riding" hat in der Schweiz den GOLD-Status
erreicht, für über 15'000 verkaufte Tonträger. Veröffentlicht
Ende April 2008, schaffte der Longplayer den Direkteinstieg auf
Platz 7 der offiziellen Media Control Album Charts und verweilte
knapp 5 Monate in den Top 100. Somit ist "Love Man Riding" eines
der erfolgreichsten Blues-Alben in der Schweizer
Charts-Geschichte. Nur B.B. King und Eric Clapton halten tapfer
die obersten 2 Plätze. Die aktuelle Single-Auskopplung "Lonely
In This Town" (Airplaycharts #71) verspricht den Höhenflug des
Gold-Albums noch lange nicht zu stoppen."
Wenn die Musik im Vordergrund steht, und keine bunte,
farbige Show geboten wird, dann muss man eine gewisse Nähe zum
Publikum schaffen. Wie heizt du deine Zuschauer an?
Ich mache es gerne mit Humor, in dem ich zum Beispiel sage, dass
wir gemeinsam einen schönen Abend wollen und dass beide
"arbeiten" müssen. Man muss versuchen, so gut wie möglich auf
das Publikum einzugehen, wobei, das hat seine Grenzen. Ich bin
kein Komiker, der die Leute zum Lachen bringen will. Ich will
sie zum Nachdenken und zum "mit-grooven" animieren.
Inwiefern kannst du mit deinen Texten die Leute zum Nachdenken
bewegen?
In meinen Songs versuche ich meistens eine Geschichte zu
erzählen: Etwas, das mir passiert ist oder ich denke, dass es
jemandem passiert sein könnte. Jeder macht sich dann seine
Gedanken und sucht Parallelen zum Leben dazu. Oftmals merke ich,
dass Leute sagen, dass sie sich mit einem Song haben
identifizieren können, mit etwas, das ihnen genau so passiert
ist.
Wenn ich das richtig verstehe, dann sendest du mit deinen Songs
Messages an die Leute. Sprechen wir mal von der Liebe. Was
denkst du, welche Messages gibst du in Sachen Liebe weiter?
Der Song "Love Man Riding" zum Beispiel, ist ganz nah an dem,
was ich gerne leben würde. Da singe ich "I fell in love this
morning but I will play around tonight"... Das bin ich: Ich will
lieben können, aber mich gleichzeitig auf etwas anderes
einlassen, dass in ein paar Stunden vorbei ist. Das hat auch
eine Paralelle dazu, dass ich ständig unterwegs bin und mich
nicht so binden kann. Was meine Songs oft wiedergeben, das sind
Sehnsüchte, und das ist etwas, das schliesslich jeder hat. Man
sagt ja so schön, dass das Gras im Nachbarsgarten immer schöner
ist. Es geht darum, dass man vieles erreichen möchte, aber es
nicht immer schafft. Das meine ich jetzt nicht negativ oder
destruktiv... Ich vermittle das immer mit einem Augenzwinkern.
Denkst du also, dass wir Menschen alles immer wieder von
Neuem betrachten müssen - auch die Liebe - und dass wir unsere
Einstellung immer wieder korrigieren müssen, weil wir sonst ein
unrealistisches Leben führen?
Ich glaube, das sollte man jeden Tag machen!
Zurück zur Musik: Welche Musiker stehen mit dir auf der Bühne?
Sind darunter Leute, die schon immer dabei waren und deine
musikalische Entwicklung mitgestaltet haben?
Bei mir war das ein Prozess. Ich hatte schon immer meine
Vorstellungen, welche Art von Musiker dabei sein sollten. Der
Schlagzeuger Tosho Yakkatokuo ist schon lange mit im Boot: Da
ist Konstanz, Qualität und ein technisches Wissen vorhanden.
Wenn du eine solche Person an deiner Seite hast, die ein
Qualitätsmerkmal ist, dann zieht man damit entsprechende Musiker
an, nach dem Motto "Hier will ich auch mitspielen".
Du stehst sehr gerne auf der Bühne, doch wie jeder Künstler,
musst du im Studio deine Songs aufnehmen...
Ich hasse Studioaufnahmen. Es ist ein notwendiges Übel.
Damit ist meine Frage schon beantwortet...
Wobei, ich musste durch meine letzten zwei Alben meine Meinung
etwas revidieren, weil ich Musiker um mich hatte, die nicht so
ein Theater darum machen. Für uns ist im Studio zu sein nicht
viel anders, als auf der Bühne zu stehen, einfach ohne Publikum.
Es ist wie eine Generalprobe: Wenn es im Studio funktioniert,
dann auf der Bühne erst recht.
"Love Man Riding" ist deine erste CD, welche die Top 10 der
Schweizer Charts geschafft hat. Da drängt sich die Frage auf:
Wie wichtig sind dir Charts-Platzierungen?
Eigentlich spielen sie für mich keine grosse Rolle, aber Freude
habe ich trotzdem dran.
Hat der Hype um Winehouse und Co. etwas zur aktuellen
Chart-Platzierung beigetragen?
Ich glaube eher, Leute wie ich haben für solche Künstler diesen
Musikbereich aufgewärmt... (lacht). |