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Vinnie:
Warum musste man so lange auf ein neues Album von Erasure warten?
Andy: So lange war es gar nicht. Wir wollten uns eben Zeit lassen
um daran zu arbeiten.
Vinnie:
Was sind Deine Erwartungen?
Andy: Man versucht keine zu haben. Aber man hat schlussendlich
eben doch welche. Es ist wie wenn man ein Baby hat. Ich bin
auf unsere Arbeit sehr stolz. Trotzdem ist es besser, neutral zu
bleiben und keine Erwartungen zu haben. Schliesslich könnte
es ja auch ein Flop werden.
Vinnie:
Ist dies nun Euer Comeback oder Revival?
Andy: Nein. Ich mag das nicht. Wir wurden so oft gefragt, ob wir
diese 80er Rivival Tourneen mitmachen. Wir haben immer abgelehnt,
denn wir waren ja nie wirklich weg. Die Leute erwarten immer einen
Hit. Wenn man diesen nicht bringt, war man "nicht da".
Das stimmt aber so nicht.
Vinnie: Eure Bühnenshows sind oft
aufwendig, lustig und imposant. Was können wir von der neuen
Show erwarten?
Andy: Es wird, gemäss dem Cover der neuen CD, ein Grammophon
auf der Bühne haben. Der erste Song wird "Mad As We
Are" vom Loveboat-Album sein. Ich werde wohl im Fummel auf
der Bühne stehen. Der zweite Song ist "Alien", vom
selben Album. Dann kommt Vince auf die Bühne. Und so
weiter...
Vinnie: Werdet Ihr nur in England touren,
oder auch Europa oder sogar die Schweiz besuchen?
Andy: Geplant sind neben England zur Zeit Deutschland und
Skandinavien. Die Schweiz voraussichtlich nicht.
Vinnie:
Warst Du schon mal in Zürich? Magst Du die Stadt?
Andy: Ich war bisher dreimal in Zürich. Jedoch bin ich nicht
ausgegangen. Darum kann ich nicht wirklich viel darüber
sagen.
Vinnie: Macht Ihr Musik weil es Euch Spass
macht oder ist es hauptsächlich ein Job um Geld zu verdienen?
Andy: Es macht uns Spass. Wenn wir keine Lust mehr hätten
könnten wir aufhören Musik zu machen und gut bis an
unser Lebensende leben. In anderen Worten: wir haben es nicht
nötig.
Vinnie: Du lebst in Spanien. Was ist ein typischer Tag für
Andy Bell wenn er nicht arbeitet?
Andy: Ich schlafe sehr viel, weil meine Nächte immer sehr
lang sind. Vor 12 komme ich nicht aus dem Bett. Dann hänge
ich eigentlich nur rum, frühstücke, mit Orangensaft und
Schinken. Danach vielleicht eine Partie Tennis mit meinem Freund.
Vinnie:
Gehst Du immer noch aus in Clubs?
Andy: Manchmal, wenn ich in London bin. Ich gehe lieber an Shows
und dann vielleicht später in Clubs. Ich mag die Drag-Shows
in Soho. Und toll finde ich, dass mich die neue Generation der
Kids gar nicht kennt. Ich kann also unbeschwert einen Abend in
einem Club geniessen. Das war früher nicht möglich. Ich
war vor kurzem in der Gaybar "The Cock", da konnte ich
mich ganz frei bewegen, das war gut.
Vinnie:
Was hältst Du von Party-Drogen?
Andy: Ich bin kein Freund von Exctacy. Ich hatte mal eine im
"Heaven" in London. Alle sagten ständig "ich
liebe Dich, ich liebe Dich...". Mir ging nur eines durch den
Kopf: "Nun, ich liebe Dich aber nicht...". Ich fand es
irgendwie blöd. Anders war es mit Kokain. Eine Zeitlang habe
ich es wirklich übertrieben damit. Es ist eine sehr
gefährliche und verführerische Droge.
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"Other People's Songs" erscheint in der Schweiz
am 27. Januar 2003 - demnächst auf gay.ch zu gewinnen !

Fünfzehn Jahre nach ihrer ersten Single "Who Needs Love
Like That"" gelten Vince Clarke und Andy Bell weiterhin
als musikalische Einzelgänger, die Emotionsgeschosse jenseits
aller Trends auf ihr Publikum loslassen. Ihr Versäumnis, sich
als Szenelieblinge zu etablieren, ist höchstwahrscheinlich
das Erfolgsrezept für ihre Langlebigkeit.
Als Bell sich 1985 auf Clarkes " Sänger
gesucht"-Anzeige meldete, hatte der wortkarge
Elektronik-Freak Vince bereits die erste Ära seines
Stardaseins, zunächst als Mitglied von Depeche Mode
und später bei Yazoo und The Assembly, hinter sich.
Mit Bell, seines Zeichens angehende Diva aus Peterborough, brach
für ihn ein neues Zeitalter an, das mit insgesamt sieben
Alben (nur unterbrochen von einer kurzen Pause) wie ein einziger
Triumphzug durch die Charts anmutet.
Aber ganz so simpel ist es bei Erasure nie. Wie Andy Bell selbst
bemerkt: " Ich glaube, man hat uns eine Menge durchgehen
lassen. Wir waren recht subversiv, wenn auch unabsichtlich -
einfach nur, indem wir wir selbst blieben. Im Grunde sind wir
ziemlich normal, gelten aber offenbar keineswegs als normal."
Das Normale für eine Band mit ihrem Hintergrund
wären "künstlerische Differenzen", eine
längere Erholungspause und eine traurige Comeback-Tour.
Dafür sind Erasure jedoch eindeutig zu trotzig und zu
eigenwillig. Zwischen ihnen herrscht immer noch
unerschütterliches Einvernehmen. Ihre Liebe zum Pop besteht
unverändert. Andy Bell hat sich von Aqua inspirieren lassen
und stampft nebenbei mit seinen Absätzen zu
Flamenco-Klängen. Clarke lässt sich von Mercury Rev
inspirieren und schreibt Sountracks und "pseudo
Retro-Soul-Funk", so zum Beispiel für Familiy Fantastic.
Die Chemie zwischen den beiden funktioniert so gut wie eh
und je. "Im Grunde sind wir ein tragischer Fall, denn
letztendlich nehmen wir doch immer wieder Platten auf", lacht
Vince. "Und auflösen werden wir uns wohl nie, sorry
Folks!". "Immerhin bedeutet das, dass euch ein Comeback
erspart bleibt", ergänzt Andy.
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Die 90er waren in dieser Hinsicht sehr wild für mich. Es gab
Leute die uns Koks besorgten weil sie wussten, dass wir in Ihre
Stadt kamen. Einfach nur so als Geschenk. Eines Tages sagte mein
bester Freund zu mir: "Andy, Du bist so langweilig.
Früher bist Du ausgegangen und warst lustig, und Du
brauchtest kein Koks dazu.". Wenn Du immer auf Koks bist,
fängst Du an, alles zu hinterfragen, wirst paranoid und
selbstsüchtig. Nachdem mein Lebensparter Paul durch einen
Schlaganfall im Koma war kam ich zum Glück wieder zur
Vernunft. Ich sage nicht, dass ich jetzt in totaler Abstinenz
lebe, aber man muss sein Mass und seine Grenzen kennen.
Vinnie: Du und Paul seid seit 17 Jahren ein Paar.
Eigentlich seit Beginn von Erasure. Was ist das Geheimnis einer
solch langen Beziehung?
Andy: Dass Liebe geben ist, ohne etwas zurückzuerwarten. Das
hat mir Paul beigebracht.
Vinnie:
Wie wichtig ist Dir Treue in der Beziehung?
Andy: Ich bin in dieser Hinsicht schlimm. Und gleichzeitig sehr
eifersüchtig. Paul ist eher treu. Zum Glück macht es ihm
nichts aus, wenn ich mit Anderen rummache.
Vinnie:
Hast Du Erfahrungen mit Groupies?
Andy: Früher vor Allem, ja. Zum Beispiel auf Tour in Amerika.
Irgendwie wird man einfach eingeladen in irgendwelche Häuser
und dann führt wohl eins zum Anderen.
Vinnie:
Bist Du immer noch ein Schwulenaktivist?
Andy: Es war mal recht gut in den 80ern mit Frankie Goes To
Hollywood oder als ich mit Jimmy (Sommerville) rumgezogen bin.
Heute ist es nichts Spezielles mehr Schwul zu sein. Dennoch finde
ich es wichtig, dass Schwule Themen in die Heterowelt gebracht
werden. Unsere Live-Show ist ein perfektes Beispiel.
Vinnie: Auf der DVD-Single von
"Solsburry Hill" ist ein Kurzfilm von Euch drauf in dem
Du eine Dragqueen spielst. Der Name des Films ist "Dr.
Jeckill and Mistress Hyde". Woher kommt die Idee?
Andy: Wir wollten so eine Art "Blair Witch Project"
machen. Es ist eigentlich nur so zum Fun entstanden. Wir konnten
uns allerdings die Infrarot-Kameras nicht leisten.
Vinnie:
Magst Du Filme? Würdest Du gerne mal in einem Film
mitspielen?
Andy: Ja, ich würde sehr gerne mal in einem Film mitspielen.
Am liebsten in einem Europäischen. Ich mag zum Beispiel die
Filme von Pedro Almodovar sehr gerne.
Vinnie:
Andy, was möchtest Du unseren Lesern zum Abschluss sagen?
Andy: Es wäre schön, wenn Ihr zu unserem Konzert kommt
wenn wir bei Euch in der Nähe auf Tour sind. Und kauft unser
neues Album. Es ist wirklich sehr gut.
Vinnie: Vielen Dank für das
Gespräch, Andy.
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