ERASURE
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ERASURE:
Vince Clarke und Andy Bell

ERASURE haben  ihre neue single "Solsbury Hill" am Samstag 18.1.03 im "Benissimo" auf SF1 um 20h00 vorgestellt
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Link: www.erasure.de
ERASURE, eine Pop-Band aus den 80s. Hits wie "Oh L'Amour" oder die ABBA-Cover-CD "AbbaEsque" machten die Britten zu einer Ausnahmeerscheinung. Die zwei Jungs melden sich nun zurück mit "Other People's Songs". Eine CD mit Cover-Songs wie zum Beispiel "Video Killed The Radio Star" oder mit der ersten Single "Solsburry Hill", ursprünglich von Peter Gabriel.

Gay.ch-Freelancer Vinnie hatte die Möglichkeit sich mit Andy, der sich in den 80s für die Rechte der Schwule stark eingesetzt hat - zu unterhalten! Daraus entstanden ist ein lockeres Gespräch über Musik, Gays, Partys und Drogen...

Vinnie: Hi Andy. Freut mich dass Du Zeit gefunden hast für ein kleines Gespräch. Gleich zur ersten Frage: Warum sollte jemand das neue Album von Erasure kaufen?
Andy: Nun, man muss das Album nicht kaufen. Es sind nun mal gute Popsongs drauf. Uns war hauptsächlich die Auswahl der Songs sehr wichtig. Wenn man in den 60ern geboren ist, ist man mit guten Popsongs aufgewachsen.

Vinnie: Warum ein Album mit Coverversionen?
Andy: Das hat sich einfach so entwickelt. Erst war es als Soloprojekt für mich geplant. Ich wollte eigentlich etwas im Stil von Dusty Springfield oder Freddy Mercury machen. Irgendwie kam Vince aber dazu und so wurde es schliesslich zu einem gemeinsamen Projekt.

Vinnie: Warum musste man so lange auf ein neues Album von Erasure warten?
Andy: So lange war es gar nicht. Wir wollten uns eben Zeit lassen um daran zu arbeiten.

Vinnie: Was sind Deine Erwartungen?
Andy: Man versucht keine zu haben. Aber man hat schlussendlich eben doch welche.  Es ist wie wenn man ein Baby hat. Ich bin auf unsere Arbeit sehr stolz. Trotzdem ist es besser, neutral zu bleiben und keine Erwartungen zu haben. Schliesslich könnte es ja auch ein Flop werden.

Vinnie: Ist dies nun Euer Comeback oder Revival?
Andy: Nein. Ich mag das nicht. Wir wurden so oft gefragt, ob wir diese 80er Rivival Tourneen mitmachen. Wir haben immer abgelehnt, denn wir waren ja nie wirklich weg. Die Leute erwarten immer einen Hit. Wenn man diesen nicht bringt, war man "nicht da". Das stimmt aber so nicht. 

Vinnie: Eure Bühnenshows sind oft aufwendig, lustig und imposant. Was können wir von der neuen Show erwarten?
Andy: Es wird, gemäss dem Cover der neuen CD, ein Grammophon auf der Bühne haben. Der erste Song wird "Mad As We Are" vom Loveboat-Album sein. Ich werde wohl im Fummel auf der Bühne stehen. Der zweite Song ist "Alien", vom selben Album. Dann kommt Vince auf die Bühne. Und so weiter...

Vinnie: Werdet Ihr nur in England touren, oder auch Europa oder sogar die Schweiz besuchen?
Andy: Geplant sind neben England zur Zeit Deutschland und Skandinavien. Die Schweiz voraussichtlich nicht.

Vinnie: Warst Du schon mal in Zürich? Magst Du die Stadt?
Andy: Ich war bisher dreimal in Zürich. Jedoch bin ich nicht ausgegangen. Darum kann ich nicht wirklich viel darüber sagen.

Vinnie: Macht Ihr Musik weil es Euch Spass macht oder ist es hauptsächlich ein Job um Geld zu verdienen?
Andy: Es macht uns Spass. Wenn wir keine Lust mehr hätten könnten wir aufhören Musik zu machen und gut bis an unser Lebensende leben. In anderen Worten: wir haben es nicht nötig.

Vinnie: Du lebst in Spanien. Was ist ein typischer Tag für Andy Bell wenn er nicht arbeitet?

Andy: Ich schlafe sehr viel, weil meine Nächte immer sehr lang sind. Vor 12 komme ich nicht aus dem Bett. Dann hänge ich eigentlich nur rum, frühstücke, mit Orangensaft und Schinken. Danach vielleicht eine Partie Tennis mit meinem Freund.

Vinnie: Gehst Du immer noch aus in Clubs?
Andy: Manchmal, wenn ich in London bin. Ich gehe lieber an Shows und dann vielleicht später in Clubs. Ich mag die Drag-Shows in Soho. Und toll finde ich, dass mich die neue Generation der Kids gar nicht kennt. Ich kann also unbeschwert einen Abend in einem Club geniessen. Das war früher nicht möglich. Ich war vor kurzem in der Gaybar "The Cock", da konnte ich mich ganz frei bewegen, das war gut.

Vinnie: Was hältst Du von Party-Drogen?
Andy: Ich bin kein Freund von Exctacy. Ich hatte mal eine im "Heaven" in London. Alle sagten ständig "ich liebe Dich, ich liebe Dich...". Mir ging nur eines durch den Kopf: "Nun, ich liebe Dich aber nicht...". Ich fand es irgendwie blöd. Anders war es mit Kokain. Eine Zeitlang habe ich es wirklich übertrieben damit. Es ist eine sehr gefährliche und verführerische Droge.

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"Other People's Songs" erscheint in der Schweiz am 27. Januar 2003 - demnächst auf gay.ch zu gewinnen !

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Fünfzehn Jahre nach ihrer ersten Single "Who Needs Love Like That"" gelten Vince Clarke und Andy Bell weiterhin als musikalische Einzelgänger, die Emotionsgeschosse jenseits aller Trends auf ihr Publikum loslassen. Ihr Versäumnis, sich als Szenelieblinge zu etablieren, ist höchstwahrscheinlich das Erfolgsrezept für ihre Langlebigkeit.

Als Bell sich 1985 auf Clarkes " Sänger gesucht"-Anzeige meldete, hatte der wortkarge Elektronik-Freak Vince bereits die erste Ära seines Stardaseins, zunächst als Mitglied von Depeche Mode und später bei Yazoo und The Assembly, hinter sich. Mit Bell, seines Zeichens angehende Diva aus Peterborough, brach für ihn ein neues Zeitalter an, das mit insgesamt sieben Alben (nur unterbrochen von einer kurzen Pause) wie ein einziger Triumphzug durch die Charts anmutet.

Aber ganz so simpel ist es bei Erasure nie. Wie Andy Bell selbst bemerkt: " Ich glaube, man hat uns eine Menge durchgehen lassen. Wir waren recht subversiv, wenn auch unabsichtlich - einfach nur, indem wir wir selbst blieben. Im Grunde sind wir ziemlich normal, gelten aber offenbar keineswegs als normal."

Das Normale für eine Band mit ihrem Hintergrund wären "künstlerische Differenzen", eine längere Erholungspause und eine traurige Comeback-Tour. Dafür sind Erasure jedoch eindeutig zu trotzig und zu eigenwillig. Zwischen ihnen herrscht immer noch unerschütterliches Einvernehmen. Ihre Liebe zum Pop besteht unverändert. Andy Bell hat sich von Aqua inspirieren lassen und stampft nebenbei mit seinen Absätzen zu Flamenco-Klängen. Clarke lässt sich von Mercury Rev inspirieren und schreibt Sountracks und "pseudo Retro-Soul-Funk", so zum Beispiel für Familiy Fantastic.

Die Chemie zwischen den beiden funktioniert so gut wie eh und je. "Im Grunde sind wir ein tragischer Fall, denn letztendlich nehmen wir doch immer wieder Platten auf", lacht Vince. "Und auflösen werden wir uns wohl nie, sorry Folks!". "Immerhin bedeutet das, dass euch ein Comeback erspart bleibt", ergänzt Andy.


Die 90er waren in dieser Hinsicht sehr wild für mich. Es gab Leute die uns Koks besorgten weil sie wussten, dass wir in Ihre Stadt kamen. Einfach nur so als Geschenk. Eines Tages sagte mein bester Freund zu mir: "Andy, Du bist so langweilig. Früher bist Du ausgegangen und warst lustig, und Du brauchtest kein Koks dazu.". Wenn Du immer auf Koks bist, fängst Du an, alles zu hinterfragen, wirst paranoid und selbstsüchtig. Nachdem mein Lebensparter Paul durch einen Schlaganfall im Koma war kam ich zum Glück wieder zur Vernunft. Ich sage nicht, dass ich jetzt in totaler Abstinenz lebe, aber man muss sein Mass und seine Grenzen kennen.

Vinnie: Du und Paul seid seit 17 Jahren ein Paar. Eigentlich seit Beginn von Erasure. Was ist das Geheimnis einer solch langen Beziehung?
Andy: Dass Liebe geben ist, ohne etwas zurückzuerwarten. Das hat mir Paul beigebracht.

Vinnie: Wie wichtig ist Dir Treue in der Beziehung?
Andy: Ich bin in dieser Hinsicht schlimm. Und gleichzeitig sehr eifersüchtig. Paul ist eher treu. Zum Glück macht es ihm nichts aus, wenn ich mit Anderen rummache.

Vinnie: Hast Du Erfahrungen mit Groupies?
Andy: Früher vor Allem, ja. Zum Beispiel auf Tour in Amerika. Irgendwie wird man einfach eingeladen in irgendwelche Häuser und dann führt wohl eins zum Anderen.

 Vinnie: Bist Du immer noch ein Schwulenaktivist?
Andy: Es war mal recht gut in den 80ern mit Frankie Goes To Hollywood oder als ich mit Jimmy (Sommerville) rumgezogen bin. Heute ist es nichts Spezielles mehr Schwul zu sein. Dennoch finde ich es wichtig, dass Schwule Themen in die Heterowelt gebracht werden. Unsere Live-Show ist ein perfektes Beispiel.

Vinnie: Auf der DVD-Single von "Solsburry Hill" ist ein Kurzfilm von Euch drauf in dem Du eine Dragqueen spielst. Der Name des Films ist "Dr. Jeckill and Mistress Hyde". Woher kommt die Idee?
Andy: Wir wollten so eine Art "Blair Witch Project" machen. Es ist eigentlich nur so zum Fun entstanden. Wir konnten uns allerdings die Infrarot-Kameras nicht leisten.

 Vinnie: Magst Du Filme? Würdest Du gerne mal in einem Film mitspielen?
Andy: Ja, ich würde sehr gerne mal in einem Film mitspielen. Am liebsten in einem Europäischen. Ich mag zum Beispiel die Filme von Pedro Almodovar sehr gerne.

 Vinnie: Andy, was möchtest Du unseren Lesern zum Abschluss sagen?
Andy: Es wäre schön, wenn Ihr zu unserem Konzert kommt wenn wir bei Euch in der Nähe auf Tour sind. Und kauft unser neues Album. Es ist wirklich sehr gut.

Vinnie: Vielen Dank für das Gespräch, Andy.