CHRISTINA STÜRMER
interview in zürich

bild(01.10.10/lp) Christina Stürmer meldet sich mit ihrem neuen Album "Nahaufnahme" zurück. Wir haben die Sängerin während ihrer Promotour getroffen - und mit ihr nicht nur über ihre neue CD gesprochen.

Beim Lied "Gib mir den Sommer zurück"... Geht es darin um "geklaute Zeit" nach einem Liebes-Aus?

Man kann sicherlich verschiedenes da hinein interpretieren. Es geht um den Sommer als Synonym. Im Sommer sind die Leute ja gut drauf... Damit verbinde ich Glücksgefühle. Es geht also darum, dass die Person mir die Zeit zurückgeben soll, als es mir gut gegangen ist, ich will das Gute wieder zurück haben...

Also zum Beispiel, wenn es in der Beziehung nicht gut läuft, das man was macht, damit die gute Zeit zurück kommt?

Ja, genau.

Was war da genau mit der Bundeshymne und der Klage...?
Das Bundesbildungsministerium wollte für eine Kampagne zur aktuell geplanten Bildungsreform Werbung machen und somit wurde ich angefragt, die Bundeshymne etwas peppiger und rockiger aufzunehmen. Das wurde dann auch gemacht. Die Leute haben sich gefreut, dass sich nun die Jugendlichen mit dem auseinander gesetzt haben, was in der Hymne besungen wird, etc. ABER, aber dann kam die Klage, bei der es um die Textänderung gegangen ist: Die Zeile „Heimat bist du grosser Söhne“ wurde in „Heimat bist du grosser Söhne und Töchter“ geändert. Der Sessler-Verlag, der die Erben Preradovićs in Urheberrechtsfragen vertritt, hat alle angeklagt, die mit dem Song zu tun haben, also sogar ich als Sängerin. Doch da nicht ich den Text geändert habe, sondern ihn nur gesungen habe, war ich aus dem Schneider... Zum Glück. Seit Januar geht das Ganze ja schon.

Am Anfang war das dann gross in den Medien und viele haben dann gemeint, dass wir die Bundeshymne als solches verändern wollten... Und weil jetzt das Wort "Töchter" im Text sei, wurden auch noch "Feministinnen" angesprochen... Andererseits hätten sie doch lieber vorher beim Verlag nachfragen sollen... Dann kam noch die Diskussion dazu, wem gehört den eigentlich eine Landeshymne und so... Na ja, ich bin froh, hab ich mit dem Text nichts zu tun gehabt.

Auf Wikipedia steht über dein letztes Album folgendes geschrieben: "Das Album In dieser Stadt erreichte in Österreich Platz 1, blieb aber in Deutschland und der Schweiz hinter den Erwartungen zurück. Zudem rissen die Verkaufszahlen nach wenigen Wochen ab. Zeitweise spielte Stürmer in gerade einmal halb gefüllten Hallen. In den Medien wurde von einem Flop gesprochen." Was meinst du dazu?
Flop... Flop... Ich finde das ein blödes Wort. Na ja, hier steht auch, dass das Album in Deutschland auf die 6 und in der Schweiz auf die 8 in die Charts eingestiegen ist, das würden sich andere Bands echt wünschen... Und ein Flop ist es nicht, ich war nie vor dem grossen tiefen schwarzen Loch und hab mir gesagt, dass ich versagt hätte. Aber es stimmt schon, die letzten zwei Album "In dieser Stadt" und das Akustik-Album "Lautlos" haben sich nicht so oft verkauft, wie sich zum Beispiel die Plattenfirma es erhofft hätte. Das Album "Lebe lauter" war in Deutschland ja auf Platz 1 und es ist nicht einfach dieses Level zu halten, und es ist auch klar, dass es irgendwann auch etwas bergab geht. Natürlich, wir hätten uns mehr erhofft, ein Flop ist es aber trotzdem nicht.

Das neue Album "Nahaufnahme" scheint mir etwas anders ausgefallen zu sein, als die Vorgänger...
Ja, wir haben nach Jahren den Produzenten gewechselt. Neu ist Olaf Opal, der unter mit anderem mit Juli gearbeitet hat, mit im Boot und der ist im Vergleich zu unserem letzten Produzenten ein komplett anderer Typ. Die Produktion war super entspannt und Olaf hat von uns verlangt, dass wir alles selber machen, das also keine Musiker dazu kommen, zum Beispiel bei den Steichern... Zuerst haben wir mal leer geschluckt und uns gefragt, ob wir das schaffen... Aber dann haben wir uns darauf gefreut. Spannend zum Beispiel auch, dass Olaf mir gesagt hat, ich soll mich nicht zu sehr darauf konzentrieren, die Töne zu treffen, sondern, ich solle mich auf den Text zu konzentrieren und  mich fallen lassen. Und dann war ja auch die Sache mit den Gitarren: Früher haben wir die Effekte im Nachhinein mit Computer gemacht und dieses Mal wurden diese direkt mit Geräten an der Gitarre gemacht. Man merkt schon, dass die Musik einfach mehr knistert. Und Olaf hat uns vorgewarnt, dass es sozusagen mehr rauschen wird...
 

 
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