(12.07.11/dom)
Der Vatikan zeigt sich äusserst besorgt darüber, dass Gewalt
und Menschenrechtsverletzungen gegenüber Schwulen, Lesben und
Transgender per UN-Resolution verurteilt werden. Und der
Kirchenstaat geht sogar noch einen Schritt weiter, dass er sich
gar gesetzliche Sanktionen gegen gleichgeschlechtliche, sexuelle
Handlungen vorstellen könne.
Es war nicht anders zu erwarten gewesen: Nachdem der
UN-Menschenrechtsrat erstmals eine Resolution gut geheissen hat,
welche explizit die Rechte von Schwulen, Lesben und Transgender
unterstreicht und diesbezügliche Gewaltakte und
Menschenrechtsverleztungen gegen LGBTs verurteilt, meldet sich
nun der Vatikan zu Wort. Der Kirchenstaat liess via seinem
Vertreter, dem Erzbischof Silvano Tomasi, verlauten, dass diese
Entwicklung der Beginn sei, die Homosexuellen-Rechte in die
weltweite Menschenrechtsagenda zu übernehmen. Wie er weiter
ausführte, stehe dies im Widerspruch zum Recht der freien
Meinungsäusserung, welches für religiöse Führer gelte. So
forderte er weiter, dass die einzelnen Staaten zudem das Recht
haben sollen, gewisse sexuellen Verhaltensregeln per Gesetz
verbieten zu lassen. Gleichzeitig kehrt der Erzbischof einmal
mehr den Spiess um und erklärte, dass viele Christen verfolgt
würden, nur weil sie sexuelles Verhalten unter Menschen des
gleichen Geschlechts nicht unterstützen.
Dass sich der Vatikan auch strafrechtliche Konsequenzen für
homosexuelle Handlungen durchaus vorstellen kann, zeigte sich
darin, dass Tomasi weiter erklärte, dass andere Staaten
schliesslich auch Praktiken wie Vergewaltigung, Pädophilie oder
Inzest verboten hätten. Wenn es dabei nur bei Gedanken oder
Gefühlen bliebe, so können diese nicht bestraft werden, fügte er
hinzu. So zeigte sich der 70-Jährige weiter auch besorgt
darüber, dass die Ehe und die Familie dadurch abgewertet werde,
wenn die Homo-Ehe auf die gleiche, gesetzliche Stufe gehoben
werde. Auch wenn Silvano Tomasi die Gewalt gegen Schwule, Lesben
und Transgender verurteilt, schob er gleich hinterher, dass dies
noch nicht die Legitimation für ihr sexuelles Verhalten bedeute.
Der Vatikan ist nicht Mitglied der Vereinten Nationen, sondern
hat lediglich Beobachterstatus inne. Der Vertreter des Heiligen
Stuhls bei den Vereinten Nationen ist Erzbischof Silvano Tomasi,
und er hat ein Büro bei der UN in Genf. Seine jüngsten Aussagen
sorgten im Besonderen auch in Deutschland für Empörung, nicht
zuletzt deshalb, da im Herbst der Papst zu Besuch kommen wird.
Er hat dabei auch die Möglichkeit erhalten, dass er vor dem
Bundestag in Berlin sprechen darf. Grüne-Politiker und
Schwulenaktivist Volker Beck hat bereits angekündigt, dass diese
untragbaren Äusserungen dann auch thematisiert werden müssen. |