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USA: Wie gegen Mobbing an Schulen vorgehen?
bild(11.10.10/dom) Nachdem mehrere Jugendliche von ihren Mitschülern in den Selbstmord getrieben wurden, weil sie aufgrund ihrer Homosexualität schikaniert, gemobbt und gar gewaltsam angegangen wurden, ist nun eine Debatte darüber entbrannt, wie solche Fälle verhindert werden können.

Alleine im Monat September sind fünf Fälle von Jugendlichen an die Öffentlichkeit gelangt, welche durch ihre Homosexualität von den Schulkameraden derart gehänselt und schikaniert wurden, dass sie nur noch im Selbstmord einen Ausweg fanden (gay.ch berichtete). Nun ist in den USA eine breite Debatte über das so genannte „Bullying“, also das Schikanieren, Mobben und gar Terrorisieren von Mitschülern, entbrannt. Während sich alle einig sind, dass gegen dieses zunehmende und sich unter anderem auch im Internet immer stärker verbreitende Phänomen etwas unternommen werden muss, so unterscheiden sich die Lösungsansätze frappant – nicht zuletzt ist auch einmal mehr wieder eine ideologische Diskussion dazu lanciert worden.

Während schwullesbische Organisationen darauf bestehen, dass beim Thema „Bullying“ auch unbedingt auf Homosexualität und das Coming-Out bei Jugendlichen Bezug genommen werden muss, so wehren sich konservative und religiöse Kräfte mit Vehemenz dagegen. Es sei unnötig und bloss eine Taktik um Jugendliche zu manipulieren um für die gleichgeschlechtliche Liebe zu werben. So erklärte etwa Chuck Darrell des konservativen „Minnesota Family Council“, dass man den Fokus auf das Fehlverhalten der Täter legen müsse, und nicht auf die Gründe beim Opfer, welche zum „bullying“ geführt haben. Damit wird von diesen Kreisen einmal mehr nicht berücksichtigt, dass gerade junge Schwule, Lesben und Transgender eine markant höhere Selbstmordrate aufweisen als Heterosexuelle. Bei vielen Suiziden wird die Ursache schlussendlich auch nie gefunden, da die Jugendlichen etwa ihr Coming Out noch gar nicht hinter sich haben, oder aufgrund ihres Umfelds in massive Zweifel in Bezug auf ihre sexuelle Ausrichtung kommen.

Das “Gay, Lesbian and Straight Education Network”, kurz GLSEN, fordert hingegen, dass man bei der Strategie, wie man gegen Mobbing vorgehen wolle, die Probleme beim Namen nennen müsse um überhaupt eine Verbesserung zu erzielen. Nur wenn man die Sachen beim Namen nenne, könne man auch eine Verbesserung der momentan Situation feststellen. Wie GLSEN mittels einer Umfrage unter 7261 Schülern und Studenten herausfand, gaben nur 18 Prozent der Befragten an, dass es an der Schule, die sie besuchen, eine Präventionsprogramm gegenüber “bullying” gebe. Durch solche Programme würden junge Schwule, Lesben und Transgender weniger Opfer von Mobbing, und falls doch, würden sie sich viel eher getrauen, die Probleme bei den Schulleitung und den Lehrern zu melden.

Ein Beispiel zeigt der Schulbezirk Anoka-Hennepin im US-Bundesstaat Minnesota: Im Juli beging der 15-jährige Justin Aaberg Selbstmord, nachdem er von seinen Mitschülern aufgrund seiner Homosexualität schikaniert wurde. Wie Anwälte nun angeben, gab es im vergangenen Jahr fünf Studenten, welche Suizid begingen. Bei mindestens zwei der Fälle gilt „bullying“ aufgrund von Homosexualität ebenfalls als Grund für den Selbstmord. In diesem Schuldistrikt mit rund 40'000 Schülern in 13 Ortschaften gilt die so genannte Neutraliätsregel in den Schulen, sprich, man thematisiert Homosexualität schlicht weg nicht. Damit bezieht man keine Stellung, ob es nun etwas positives oder negatives ist, und damit verärgert man auch nicht die liberalen oder die konservativen Familien. Dass diese Politik aber unbedingt geändert werden muss, zeigen die Zahlen bezüglich der Suizidrate im Schuldistrikt deutlich.

Besonders die schwullesbischen Organisationen machen nun Druck auf die Schulen und die Politik, damit „bullying“ gegen Homosexuelle stärker thematisiert wird, und dass gerade auch deshalb jungen Schwulen, Lesben und Transgender die Möglichkeit gegeben wird, dass sie zu sich stehen können, ohne Schikanen und Mobbing befürchten zu müssen – oder dass sie zumindest Ansprechpersonen haben…