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USA: Die Eltern von Tyler Clementi im Interview
family image(13.12.11/dom) Der Fall ging damals um die Welt: Tyler Clementi von der Rutgers University, südöstlich von New York City im US-Bundesstaat New Jersey, beging vor rund 14 Monaten Selbstmord nachdem sein Zimmergenosse ein Video per Webcam verbreitet hat, welches den 18-jährigen Tyler zusammen mit einem anderen Mann zeigt. Nun gaben die Eltern von Tyler erstmals ein Interview am Fernsehen.

Er hatte Zweifel rund um seine Sexualität, konnte sich selbst nicht richtig akzeptieren, stellte sich Fragen, ob es einen Gott gibt oder nicht, und er fühlte sich einsam: Dies erklärte Jane Clementi, die Mutter von Tyler, welche sich nun zusammen mit ihrem Ehemann erstmals öffentlich über den Selbstmord ihres Sohnes in einem Interview äusserte. Jeder dieser Punkte, sei es das Outing, Einsam zu sein, den Glauben an Gott, wäre an sich schon ein riesiges Thema für sich gewesen, doch es sei damals alles auf einmal gekommen. Es sei sehr viel gewesen für eine Mutter, die eigentlich immer dachte, sie wisse was in ihrer Familie vor sich gehe. Das einzige, was sie damals hinterfragt habe, sei der Punkt des Vertrauens gewesen, wieso Tyler nicht schon viel früher auf sie zu gekommen sei, und nicht erst mit 18. Er habe auch nie zuvor irgendwelche Zeichen in diese Richtung gesendet, erklärte die Mutter weiter. Anders sei es beim Bruder von Tyler gewesen, James. Sie habe immer gehofft, dass er sich endlich outen würde, sie habe gemerkt, dass er schwul sei. Doch geoutet hat er sich damals nicht - erst nach dem Selbstmord seines jüngeren Bruders Tyler, wagte James, heute 26, diesen Schritt.

Das Gespräch zwischen ihr und Tyler hätte rund 45 Minuten gedauert, damals, als sich Tyler bei ihnen geoutet habe. Der 18-Jährige sei nach dem Gespräch sehr zufrieden und auch befreit gewesen, erklärte die Mutter in der “Today Show”. Sie selber hingegen sei sehr überrascht gewesen ob dem Outing, und sie habe sich gefühlt, als hätte ihr jemand in die Magengegend getreten. Dass aber auch Tyler nicht genügend selbstsicher war und selber noch grosse Zweifel in Bezug auf seine Sexualität verspürte, merkten sie vier Wochen später. Dharun Ravi, ein Zimmergenosse von Tyler, filmte diesen heimlich mit einer Webcam, als dieser ein Date mit einem anderen Mann hatte, und er verbreitete dies via Internet. Tyler wurde zum Gespött der Schule und massiv gemobbt, und nur Tage nach diesem Vorfall wusste er offenbar keinen anderen Ausweg mehr als den Selbstmord. Er stürzte sich von der George Washington Bridge.

Bislang haben sich Jane und Joe Clementi nur über Statements via ihrem Anwalt an die Öffentlichkeit gewandt, doch nun sei es an der Zeit, auch persönlich Interviews zu geben, um nicht zuletzt auf die Foundation aufmerksam zu machen, welche sie im Namen ihres Sohnes gestartet haben. Damit soll die Akzeptanz von schwullesbischen Jugendlichen gestärkt werden und sie sollen präventiv vom Selbstmord abgehalten werden, wenn sie an den Schulen gemobbt werden. Ihnen sollen Wege aufgezeigt werden, an wen sie sich wenden können, wenn sie Probleme haben, wo sie Hile bekommen. Zudem soll mit der Foundation auch der Kampf gegen Onlinebullying, sprich das Mobbing via Internet und Soziale Netzwerke, verstärkt werden. Wie sie nun bestätigen, sehen sie auch etwas Gutes darin, dass sie sich öffentlich zeigen und sich für Interviews zur Verfügung stellen: Das Interesse werde dadurch auf etwas gerichtet, welches unbedingt angesprochen werden müsse.

Gegen Dharun Ravi wurde in der Folge ein Strafverfahren eingeleitet und er muss sich wegen insgesamt 15 Anklagepunkten vor Gericht verantworten. So wird ihm unter anderem die Verletzung der Privatsphäre, sowie Hassverbrechen vorgeworfen, und dafür drohen ihm bis zu zehn Jahre Haft. Eine Anklage wegen Mordes gibt es allerdings nicht. Die Anwälte von Dharun Ravi haben zudem angekündigt, dass sie versuchen würden, den Beweis zu erbringen, dass Tyler Clementi nicht aufgrund der Webcam-Übertragung oder aufgrund der damit verbundenen Twitter-Einträge Selbstmord begangen habe. Erst in der letzten Woche hat Dharun Ravi eine Vereinbarung abgelehnt, wonach dem gebürtigen Inder bei einem Schuldspruch das Gefängnis und die Abschiebung erspart worden wären. Der Prozessbeginn ist nun für den 21. Februar angesetzt.

Der Selbstmord von Tyler Clementi im September 2010 rückte die Thematik der jungen Schwulen und Lesben im Zusammenhang mit Bullying/ Mobbing stark ins Bewusstsein der amerikanischen Öffentlichkeit. Alleine in jenem Monat gab es damals fünf Selbstmorde (gay.ch berichtete) in den US-Bundesstaaten Texas, California, Indiana und Minnesota, welche auf die gleiche Ursache zurückzuführen waren. Nicht zuletzt dadurch, dass jeweils auch soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook involviert waren, führte dies zu einer starken medialen Aufmerksamkeit, so dass sich sogar US-Präsident Barack Obama, und Showbiz-Grössen wie Lady Gaga und Ellen DeGeneres zu Wort gemeldet haben um den LGBT-Jugendlichen Mut zuzusprechen.

Interview mit Jane und Joe Clementi in der Todays Show: