templates image

USA: Attacke im Stonewall Inn in New York
family image(08.10.10/dom) In Bezug auf die Gay Community ist es wohl die geschichtsträchtigste Bar der Welt, das Stonewall Inn im New Yorker Greenwich Village, doch am vergangenen Wochenende war das Lokal Ziel einer Anti-Gay-Attacke. Ein Gast wurde niedergeschlagen, und die Polizei konnte die beiden Täter verhaften, sie beteuern aber, dass ihr Motiv nicht Hass gegenüber Schwulen gewesen sei…

Es war rund um die Bar Stonewall Inn, damals im Jahr 1969, als sich die Schwulen, Lesben und Transsexuellen erstmals gegen die Razzien der Polizei zur Wehr setzten und damit die moderne, weltweite Schwulenbewegung einläuteten (mehr dazu auch in der aktuellen Ausgabe des gay.ch Magazins "Varieté"). Aus diesem Grund hat das Lokal im Greenwich Village in Manhattan besonderen Symbolcharakter für die Gay Community, und dies schien der Angreifer am vergangenen Wochenende offenbar nicht gewusst zu haben. Als der 34-jährige Ben Craver am frühen Sonntagmorgen um 2 Uhr auf die Toilette ging, stand ein Mann, Matthew Francis, neben ihm am Urinal. Francis fragte den Craver, was für eine Bar dies sei, und als dieser ihm erklärte, dass es sich beim Stonewall Inn um eine Gay Bar handle, begann Francis offenbar mit homophober Rhetorik zu fluchen. Er möge die Schwulen nicht, und er solle sofort von ihm wegstehen, habe Francis laut geschrieen, erklärte ein Polizist in einer Stellungnahme. Der 21-jährige Matthew Francis habe dann von Ben Craver Geld verlangt und habe darauf begonnen auf ihn einzuschlagen, während sein Kollege, der 17-jährige Christopher Orlando, die Tür blockierte, damit keine Hilfe kommen konnte. Ben Craver wurde darauf ins Krankenhaus gebracht, wo ihm eine Platzwunde oberhalb des rechten Auges mit mehreren Stichen genäht werden musste.

Die herbeigerufene Polizei konnte darauf Francis und dessen Kollegen festnehmen, welche von Türstehern am Ende der Strasse festgehalten wurden. Sie wurden nun angeklagt wegen Hassverbrechen und anschliessendem Raub. Der Anwalt von Francis versuchte darauf das Verhalten seines Mandanten zu verteidigen: Es sei definitiv kein Hassverbrechen gewesen, vielleicht habe es ja einen Streit zwischen den Beiden gegeben auf der Toilette. Gegen eine Kaution von 10'000 Dollar könnte Francis und sein Mittäter bis zum Prozess wieder auf freiem Fuss sein, aus diesem Grund versuchen sie derzeit das Geld bei Familienmitgliedern aufzutreiben. In der Zwischenzeit hat sich auch Francis selber zu Wort gemeldet: Gegenüber "Daily News" erklärte es, dass es definitiv kein Hassverbrechen gewesen sei, und dass er nichts gegen Schwule habe. Seine Schwester sei eine Lesbe und er diskriminiere Homosexuelle nicht. Es sei ein Bar-Fight gewesen und er schwöre bei seinem Leben, dass es nichts mit Homosexualität oder sonst was zu tun habe.

Dies war allerdings nicht das einzige Anti-Gay-Verbrechen an diesem Wochenende in New York City: Auch im als gay-friendly bekannten Viertel Chelsea in Manhattan sind in der Nacht zuvor, vom Freitag auf den Samstag. mehrere Schwule angegriffen worden. Die Männer umarmten und küssten sich zur Verabschiedung auf der Strasse, als fünf Männer sie zu beschimpfen begannen. Sie sollen nach Hause gehen, das sei ihre Viertel, hätten sie laut Berichten gerufen. Zwei Männer seien dann auch handgreiflich geworden und mit Fäusten auf die Schwulen los, einer habe zudem einen Metallabfalleimer genommen und gegen den Kopf eines Opfers geschlagen. Einer der Täter, der 20-jähirge Andrew Jackson, musste das Wochenende im Gefängnis verbringen. Gegen ihn wurde wegen Hassverbrechen und andere Vergehen ermittelt. Die Anwältin von Jackson wollte zum Fall noch keine Angaben machen.