(20.12.10/dom)
Sie zieht unermüdlich durch die USA und legt die Weichen
ziemlich eindeutig auf eine Kandidatur als nächste Präsidentin
der USA: Sarah Palin ist zum Symbol für ein erzkonservatives
Amerika geworden, welches die traditionellen Werte hochleben
lässt - einen Platz für Schwule und Lesben gibt es in diesem
Weltbild nicht.
Sie schreibt Bücher, hält Reden und sie wird von ihren Fans
gefeiert wie derzeit kaum ein anderer Politiker. Doch Sarah
Palin polarisiert auch extrem. Derzeit tourt die Republikanerin
aus Alaska durch die USA um ihr aktuelles Buch "America by Heart"
zu präsentieren, um ihre Anliegen breitzutreten und um ihren
Anhängern Autogramme zu verteilen.
Mit ihrem aktuellen Buch befriedigt sie einmal mehr ihre
konservative, mit unter meist homophobe Leserschaft. Doch
trotzdem schafft es Sarah Palin ein ganzes Buch zu schreiben,
ohne auch nur einmal das Wort "homosexuell", "schwul" oder
"lesbisch" zu gebrauchen. Die Politikerin macht es anders, und
auch so ist es ihren Anhängern völlig klar, auf wenn sie mit
ihren Worten abzielt.
So erklärt sie, dass alle Partnerschaften, die als "Lifestyle"
ausgelegt würden, kein Recht auf Gleichberechtigung hätten. In
der Welt einer Sarah Palin existiert die gleichgeschlechtliche
Liebe nämlich nicht als Veranlagung, sondern, es ist ein
"Lifestyle", denn man frei wählen kann. Die Ehe müsse geschützt
werden, schreibt sie anderswo quasi als Floskel, ohne überhaupt
zu begründen, weshalb ihrer Ansicht die Gleichberechtigung der
schwullesbischen Paare überhaupt am Status der Ehe etwas ändern
würde.
Mit ihren Ansichten konnte sich Sarah Palin rasch zur
Hoffnungsträgerin für die im 2009 entstandene Bewegung der "Tea
Party" entwickeln. Die Bewegung bekämpft zwar in erster Linie
die Politik des aktuellen, demokratischen Präsidenten Obama,
kann sich allerdings auch mit der Politik von dessen Vorgänger,
dem Republikaner George W. Bush nicht anfreunden. Doch trotzdem wird
die "Tea Party" vor allem als Strömung am äusseren rechten Rand
der Republikaner gesehen. Dazu passt auch, dass wie schon Sarah Palin, auch die "Tea Party" es vermeidet, sich über Themen wie
der gleichgeschlechtlichen Ehe oder auch Abtreibungen zu
konkret zu äussern, da die Bewegung in diesen Bereichen uneins ist.
Obwohl sie stets die Fahne der traditionelle Familie hochhält,
so ist ihr Privatleben alles andere als konservativ. Doch ihre
Wähler und Anhänger scheint dies nicht im geringsten zu stören.
Sie hat insgesamt fünf Kinder, mitunter mit grossem
Altersunterschied. Ihr jüngstes Kind wurde mit dem Down Syndrom
im Frühjahr 2008 geboren. Nur ein halbes Jahr später bekam ihre
damals mir knapp 18 Jahren zweitälteste Tochter Bristol
ebenfalls ein Kind und machte Sarah Pailin damit zur
Grossmutter. Anders als während dem Wahlkampf angekündigt -
Sarah Palin wollte zur US-Vizepräsidentin an der Seite von John
McCain gewählt werden - heiratete Bristol ihren Verlobten nicht
direkt nach ihrem Schulabschluss, sondern, die Beiden lösten
ihre Verlobung nur zwei Monate nach der Geburt ihres Kindes auf.
Darauf entbrannte ein wahrer Sorgerechtsstreit zwischen dem
Vater des Kindes, Levi Johnston, und der Familie Palin.
Sicherlich auch um der konservativen Politikerin eins
auszuwischen liess sich Levi Johnston in der Folge nackt für das
Cover des "Playgirl" ablichten (gay.ch
berichtete).
Doch nocheinmal zurück zu ihrem Buch: Wie verschiedene Rezensenten und
Kritiker in den USA zum Schluss kommen, glaubt Sarah Palin an
eine Welt, in der die geschaffenen Freiheiten für die Bürger
direkt von Gott kommen - und zwar einem Gott, der denkt, dass
Schwule, Lesben und Transgender keinerlei Rechte auf Freiheit
haben. Eine erschreckende Ansicht, wenn man bedenkt, dass diese
Frau im kommenden Wahlkampf mit grosser Wahrscheinlichkeit gegen
Barack Obama in den Präsidentschaftswahlkampf einsteigen wird,
um das Amt für die Republikaner zurückzuholen.
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