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USA: Soldatenbefragung über Gays in der Armee
family image(12.07.10/dom) Das US-Verteidigungsministerium lässt sagenhafte 4.5 Millionen US-Dollar springen, um mit einer Umfrage die Befindlichkeit seiner Soldaten im Umgang mit Schwulen und Lesben zu prüfen. Dabei sollen die Befragten unter anderem darüber Auskunft geben, ob sie sich wohl fühlen würden, wenn sie in der Gemeinschaftsdusche neben einem Schwulen stehen würden - obwohl dies heute eigentlich längst Realität ist.

"Don't Ask, Don't Tell" soll fallen, dies hat US-Präsident Barack Obama als Wahlversprechen verkündet, und auch in seiner Rede zur Lage der Nation Anfang Jahr hat er seine Bestrebungen dazu weiter konkretisiert. Das Pentagon unter Leitung des Verteidigungsministers Robert Gates hat nun an seine 400'000 Armeeangehörige eine 103 Fragen umfassende Umfrage geschickt, um die Befindlichkeit der Streitkräfte, nicht zuletzt auch im Umgang mit Schwulen und Lesben, zu prüfen. Der Hauptteil der Fragen zielt auf die Karrieremöglichkeiten und auf den demografischen Hintergrund der Befragten ab, doch der letzte Teil handelt vor allem von der "Don't Ask, Don't Tell"-Regel.

So werden die Soldaten und Soldatinnen unter anderem gefragt, ob sie sich wohl fühlen würden, wenn sie eine Dusche mit Homosexuellen teilen würden, oder auch ein Zelt während einem Kriegseinsatz. Dass dies jedoch heute bereits Tatsache ist, spielt bei der Befragung offenbar keine Rolle. Schwule und Lesben sind nämlich nicht aus der US-Armee ausgeschlossen, sie dürfen sich aufgrund der "Don't Ask, Don't Tell"-Regel bei ihren Kollegen und Kolleginnen einfach nicht outen. Diese Regel wurde im Jahr 1993 unter US-Präsident Bill Clinton eingeführt, als typische Kompromisslösung. Damit wurde zwar das Verbot aufgehoben, wonach es Schwulen und Lesben nicht erlaubt war, bei den Streitkräften zu dienen, dafür wurde ihnen gleichzeitig aber auferlegt, dass sie nicht zu ihrer sexuellen Neigung stehen dürfen. Schlimmer sogar, wird die Homosexualität eines Armeeangehörigen bekannt, so wird er ohne Wenn und Aber aus der Armee ausgeschlossen - faktisch also in die Arbeitslosigkeit entlassen.

Die Truppen der US-Streitkräfte werden nun also mittels einer 4.5 Millionen US-Dollar teuren Umfrage eines unabhängigen Meinungsforschungsinstituts auf ihre Befindlichkeit hin geprüft. So erklärt das Pentagon unter anderem, dass bis zur Öffnung der Armee für Homosexuelle noch einige Abklärungen und Arbeiten nötig seien, so etwa im sanitären Bereich. Offenbar plant die Army eigene Duschen für Homosexuelle einzuführen. Doch sicher sei dies noch nicht, heisst es laut einem Sprecher, dazu müsse man erst die Ergebnisse der Befragung abwarten. Auch denkt die Armee offenbar darüber nach, mit Sensibilisierungsprogrammen die Öffnung der Armee für Schwule und Lesben vorzubereiten.

Kritiker dieser Umfrage wehren sich bereits: So sollen diese Fragen nur darauf abzielen, alte Klischees zu untermauern, damit die Armee - gesinnungstechnisch nicht gerade die liberalste - wieder alles so belassen könne, wie es jetzt ist. Weiter finden sie auch, dass es durch die Art der Antworten zu "versehentlichen" Outings kommen könnte, welche dann eventuell dazu verwendet würden, einzelne Soldaten und Soldatinnen aufgrund der "Don't Ask, Don't Tell"-Regel aus der Armee auszuschliessen. Dazu heisst es aber von höchster Stelle, nämlich von Verteidigungsminister Robert Gates persönlich, dass er Schwule und Lesben ausdrücklich dazu ermutige, die Fragebogen auszufüllen. Die Daten würden anonym abgegeben und streng vertraulich behandelt.