(04.08.10/dom)
Er ist selber schwul, und kämpft gegen Schwule: Gibts nicht?
Doch, und zwar in der Form des Lutheraner-Pastors Tom Brock aus
Minneapolis. Er fühlt sich zwar von Männern angezogen, doch
solange er die Gefühle unterdrücke, sei er auch nicht schwul…
Er wisse seit Jahren, dass er sich sexuell zu Männern
hingezogen fühle, erklärte der Pastor gegenüber "Associated
Press", doch er betrachte sich selber nicht als schwul, weil er
diesen Gefühlen nie nachgegeben habe. Im Gegenteil, er sieht es
sogar als seine Pflicht gegen Homosexuelle vorzugehen. So hat er
sich vehement dagegen zur Wehr gesetzt, dass Schwule in der
Hierarchie der Kirche aufsteigen können. Im Weiteren hat er sich
auch mehrfach öffentlich gegen die Einführung der so genannten
Homo-Ehe ausgesprochen. Gleichzeitig hat er, laut "Lavender",
einem Gay Magazin in Minnesota, jeweils an den Treffen einer
Selbsthilfegruppe teilgenommen, welche Christen hilft, welche
ein Problem damit haben, dass sie sich zum gleichen Geschlecht
hingezogen fühlen.
Innerhalb der Kirche sorgte sein "Outing" - oder eben doch nicht
Outing - für ziemlich Verwirrung, und so wurde Brock von seinem
Vorgesetzen Tom Parrish in den "Innendienst" versetzt. Zudem
setzte Parrish eine Task Force ein, welche den Fall Brock
untersuchen soll. Die sind mittlerweile zum Ergebnis gekommen,
dass Brock nie sexuell mit einem Mann in Kontakt kam, und aus
diesem Grund wurde es Brock auch wieder erlaubt, in der Kirche
zu predigen. Am Sonntag war es nun soweit, und Pastor Tom Brock
hielt seine erste Messe ab, und so erklärte er auch gleich
öffentlich, dass er eine 57-jährige Jungfrau sei. Man könne
dieses Problem mit der Anziehung zum gleichen Geschlecht haben,
aber man müsse entschieden "nein" dazu sagen und weiterhin
Christus folgen, fügte er hinzu.
Gleichzeitig willige der Pastor ein, sich in seinem Rang etwas
zurückstufen zulassen, sprich, er werde der Kirche immer noch
treu bleiben, und von Zeit zu Zeit auch noch predigen, so auch
via Fernsehen. Denn die "Hope Lutheran Church", wie die Kirche
genau heisst, verbreitet ihre Predigten auch via Kabelfernsehen.
Die "Hope Lutheran Church" hat sich im Jahr 2001 von der "Evangelical
Lutheran Church in America" abgespalten, unter anderem weil
diese zu liberal in Bezug auf Homosexualität und Abtreibungen
wurden. Die Gay Zeitschrift "Lavender" bekam darauf den Tipp
zugespielt, dass Pastor Tom Brock jeweils den Treffs der
Selbsthilfegruppe beiwohnt, bei welcher die Teilnehmer über ihre
homosexuellen Neigungen berichten. Ein Journalist nahm dann
ebenfalls an den Meetings teil, und brachte damit den Fall um
Tom Brock ins Rollen. Der Journalist wurde daraufhin wegen dem "Zwangsouting"
kritisiert, doch er meinte nur, dass Brock machen und sagen
dürfe was er wolle. Es werde wohl nur schwerer für ihn, dass man
ihm überhaupt noch glaubt... Brock seinerseits hat "Lavender"
und auch dem Journalisten inzwischen vergeben, aber er werde
wohl nicht mehr an den Meetings teilnehmen... |