(17.03.11/dom)
Auf der einen Seite bedenklich, aber auch sehr verständlich:
Der umstrittene East London Gay Pride March, welcher für den 2.
April geplant war, wurde abgesagt, um damit den konservativen
Rechten das Wasser abzugraben, welche die Pride offenbar für
ihre politischen Ansichten missbrauchen wollten.
Was eigentlich eine simple Pride durch East London hätte
werden sollen, wurde zu einem überaus komplizierten Anlass.
Einerseits wollte die LGBT-Community mit diesem Event für ihre
Rechte demonstrieren und für Akzeptanz und Toleranz werben. Dies
wäre in diesem Jahr besonders wichtig gewesen, da anfangs
Februar im ganzen Viertel Plakate an die Wände geklebt wurden,
welche eine "Gay-free Zone" proklamierten (gay.ch berichtete).
Doch während die sechs Veranstalter anfänglich noch viel
Unterstützung erhielten, so ernteten sie mittlerweile vor allem
Kritik, und das von ungewohnter Seite, nämlich von der Gay
Community selber.
So hat sich auch der Schwulenaktivist Peter Tatchell von "OutRage!"
zu Wort gemeldet und erklärt, dass seine Organisation den East
London Gay Pride March nicht unterstützen werde. Und der Grund
überrascht: Wie öffentlich bekannt wurde, unterhalten einige der
sechs Veranstalter offenbar engere Verbindungen zur
rechtsgerichteten "English Defence League" (EGL) - dies geht
unter anderem aufgrund ihrer Facebookprofile hervor. Diese
Gruppierung hat sich in der Vergangenheit immer wieder mit
anti-islamischen Parolen Gehör verschafft. Aufgrund dieser
Gesinnung ist die Pride in die negativen Schlagzeilen gekommen,
und deshalb hat sich nicht zuletzt auch die LGBT-Community von
den Veranstaltern abgewendet. So befürchteten sie, dass ein Keil
zwischen sie und die Muslime getrieben, und dass es dadurch zu
grösseren Spannungen kommen würde. So kritisierten die Schwulen-
und Lesbenorganisationen etwa, dass man im Zusammenhang mit dem
Event die Homophobie nur in Bezug auf den Islam und die Muslime
kommuniziert habe, und dabei das generelle Problem der
Homophobie ausser Acht gelassen habe.
Auch Peter Tatchell erklärte, dass er befürchte, dass die Pride
von den Rechtsextremen dazu missbraucht wird um die Intoleranz
gegenüber den Muslimen zu fördern. Während der Grundgedanke des
East London Gay Pride March durchaus sinnvoll ist, und dazu
genutzt werden sollte um gegen die "Gay-Free Zone"-Poster und
gegen Homophobie im Allgemeinen zu demonstrieren, so sollte man
sich überlegen, ob der Anlass nicht verschoben und neu
aufgegleist werden könnte, fügte Peter Tatchell hinzu. Dazu
sollen verschiedene Organisationen hinzugezogen werden, welche
nicht mit der EGL in Verbindung stehen, und auch muslimische
Organisationen und deren Sprecher sollen dazu eingeladen werden,
an diesem Anlass teilzunehmen.
Von Seiten der Veranstalter des East London Gay Pride March
bezichtigte man die verschiedenen Anschuldigungen als Lügen. In
einer Zeit wie dieser, in der die Community zusammenstehen
müsste, seien sie schockiert über das Verhalten der
verschiedenen Gay Organisationen, heisst es im Statement weiter.
Aus diesem Grund haben sich die Veranstalter auch dazu
entschieden, dass der Pride March abgesagt werde.
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