(05.10.10/dom)
Der Hass gegenüber Homosexuellen nimmt in Uganda immer
krassere Formen an - eine neu erscheinende Zeitung schreibt nun
anfangs Oktober auf dem Titel, dass in den kommenden Ausgaben
hundert Facebook-Bilder von Schwulen und Lesben veröffentlicht
werden. Dazu schrieb die Zeitung zudem "Hängt sie!". Ob die
abgebildeten Männer und Frauen aber tatsächlich homosexuell
sind, basiert meist bloss auf Vermutungen - eine Hetzkampagne
sondergleichen nimmt damit ihren Lauf…
Es ist die erste Ausgabe der "Rolling Stone", welche am 2.
Oktober erschienen ist, und die hatte es gleich in sich: Bereits
auf der Titelseite wird in grossen Lettern angekündigt, dass in
den kommenden Ausgaben 100 Bilder von Facebook veröffentlicht
werden, welche mutmassliche Schwule und Lesben zeigen, daneben
steht zudem noch geschrieben "Hängt sie!". Es scheint der
Zeitung, welche selbstverständlich mit dem amerikanischen
Musik-Magazin nichts zu tun hat, vor allem um die Quote zu
gehen, denn tragischerweise lassen sich mit solchen Ansagen
offenbar in Uganda Leser mobilisieren. Unter den rund ein Duzend
in der ersten Ausgabe geouteten Frauen und Männern befinden sich
von im Land lebenden amerikanischen Journalisten bis hin zu
einfach Dorfbewohnern, aber mit Christopher Senyonio auch ein
ehemaliger anglikanischer Bischof. Das Foto von Senyonio prangt
gar gross auf der Titelseite des "Rolling Stone". Gerade in
seiner Person zeigt sich, wie "seriös" die ganze Story ist:
Christopher Senyonio ist nämlich mit einer Frau verheiratet, ihm
zum Verhängnis wurde aber wahrscheinlich, dass er sich für die
Rechte der Schwulen und Lesben in Uganda eingesetzt hat, weil
diesen im Land Haftstrafen von bis zu vierzehn Jahren drohen.
Dieser öffentliche Pranger mit Bild und Namen ist jedoch längst
nicht alles, denn die Zeitung bedient sich dem Populismus
übelster Sorte und schreibt schon von an Verschwörungstheorien
grenzende Stories. So will das Blatt wissen, dass Reiche aus dem
Westen Geld an Ugander überweisen, damit sich diese als
homosexuell ausgeben. So würden Milliarden in die Jugend von
Uganda investiert um schwul beziehungsweise lesbisch zu machen.
Sie würden sich zudem jeweils treffen, Wein trinken und das
Ganze würde dann in Orgien enden, schreiben die Autoren des
reisserischen Berichts weiter. Alle hätten zudem Nicknames
erhalten, mit jenen sie sich jeweils untereinander ansprechen
würden. Das Bild, welches die Zeitung zu zeichnen versucht, ist
äusserst dramatisch: 100'000 Schulabgänger sollen sich aktiv in
schwullesbischen Organisationen einsetzen, heisst es weiter, und
durch den Westen seien schon rund 10'000 Schüler hineingezogen
worden sein. So erklärte auch die Frau des ugandischen
Präsidenten kürzlich, dass die Jugendlichen nur homosexuell
würden, um sich damit finanziell abzusichern.
Uganda hat bereits vor kurzem international für Aufsehen
gesorgt, da derzeit im Parlament über einer massiven
Verschärfung der Gesetzgebung gegen Homosexuelle debattiert wird
(gay.ch berichtete). So soll neu für mit dem HI-Virus infizierte
Homosexuelle die Todesstrafe eingeführt werden. Die Politiker in
Uganda, bis hinauf zum Präsidenten, sind der Meinung, dass
Homosexualität durch den Westen ins Land gebracht wurde. Dies
ist auch die gängige Meinung in der Bevölkerung. So sprachen
sich 95 Prozent dafür aus, dass Homosexualität bestraft werden
muss. Solche Hasskampagnen gegen Schwule und Lesben haben auch
den internationalen Fokus auf Uganda gerichtet. So haben bereits
die USA und die EU mit Sanktionen gedroht (gay.ch berichtete),
sollte die Verschärfung des Gesetzes gegen Homosexualität
eingeführt werden. Selbst der US-Präsident Barack Obama hat
bereits scharfe Kritik an Uganda gerichtet (gay.ch berichtete).
Es ist auch nicht das erste Mal, dass Schwule und Lesben
öffentlich an den Pranger gestellt und geoutet werden. Eine
Zeitung mit dem Titel "Red Pepper" hat beispielsweise im April
2009 eine ähnliche Kampagne gefahren.
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