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TÜRKEI: Erste Annährung der Regierung an LGBT-Organisationen
family image(28.09.11/dom) Zum ersten Mal wurden Vertreter einer LGBT-Organisation offiziell an ein Treffen auf Regierungsebene eingeladen: Die Familien- und Sozialministerin Fatma Sahin erklärte dabei, dass die Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender in die Verfassung aufgenommen werden sollte.

Die Sitzung stand eigentlich unter dem Thema "Gewalt gegen Frauen", doch, Fatma Sahin, die türkische Ministerin für Familien- und Sozialpolitik, lud auch "Pembe Hayat" ["Pink Life], eine LGBT-Organisation, ein. Es ist das erste Mal, dass eine schwullesbische Organisation an einem solchen Treffen auf Regierungsebene teilnehmen durfte. Die Ministerin zeigte sich laut einem Sprecher der Organisation auch sehr offen gegenüber ihren Anliegen. Sie habe erklärt, dass sie die Forderung unterstützen werde, dass die Akzeptanz von Schwulen, Lesben, Bi- und Transsexuellen in der Verfassung festgeschrieben werden soll. Die Türkei wird sich nämlich in der kommenden Legislatur daran machen, eine neue Verfassung zu schreiben.

Ministerin Fatma Şahin äusserste sich selber auch sehr zufrieden über den Verlauf der Gespräche: Sie wolle weiterhin aktiv mit der Organisation zusammenarbeiten und sie wieder zu Treffen einladen, erklärte sie. Die Vorschläge von "Pembe Hayat" werden ihnen helfen zu lernen und zu verstehen, mit welchen Problemen sie [die LGBTs] in der Türkei konfrontiert sind. Wenn Freiheit und Gleichstellung für jedermann gelte, dann müsse die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung auch eliminiert, und die Rechte von diesen Bürgern [den LGBTs] anerkennt werden, fügte sie hinzu.

Das Treffen ist nicht zuletzt auch durch die Parlamentsabgeordnete Aylin Nazlıaka ermöglicht worden, da sie sich intensiv für die Rechte der LGBTs in der Türkei stark macht. Doch es gibt noch viel zu tun in diese Richtung: Wie ein Bericht aus der letzten Woche etwa zeigte, ist es im Parlamentsgebäude nicht möglich schwullesbische Webseiten zu öffnen - dabei sind auch jene Seiten von "Pembe Hayat" und von weiteren Organisationen betroffen. Doch dieses Problem beschränkt sich längst nicht nur auf das Parlamentsgebäude. Diese Form der Zensur haben auch zahlreiche Internetprovider eingeführt, welche Seiten mit LGBT-Inhalt rausfiltern.

Verschiedene LGBT Organisationen, wie etwa auch "Lambda Istanbul" haben vermehrt öffentlich auf dieses Problem aufmerksam gemacht. So gebe es eine Liste mit Wörtern, welche, sofern sie in einer URL vorkommen, sogleich die Website sperren - darunter ist auch "gay" und "lesbian". Der Provider von "Pembe Hayat" hat die Organisation ebenfalls gewarnt, dass sie die Website möglicherweise sperren müssten, und dies, obwohl kein pornografisches Material auf der Site zu sehen ist, sondern nur die angeblich kritischen Wörter. Auch "Amnesty International" kritisiert die Türkei scharf: Mit einer Kampagne unter dem Titel "Not an illness nor a crime" machte die Organisation darauf aufmerksam, dass bislang noch kein einziges Anliegen der LGBT-Community tatsächlich im Parlament behandelt wurde. Dies könnte sich nun aber danke dem Treffen und der Initiative von Familien- und Sozialministerin Fatma Sahin ändern…