(18.08.11/dom)
Überall wo Papst Benedikt XVI in letzter Zeit auftaucht, ist
auch die Gay Community präsent um gegen seine sture Haltung
gegenüber Homosexualität und in Bezug auf die Rechte für
Schwule, Lesben und Transgender zu protestieren - so auch
während seinem Besuch in Madrid.
Wenn Papst Benedikt XVI am Donnerstag zum katholischen
Weltjugendtag in der spanischen Hauptstadt eintrifft, dann ist
auch die Gay Community vor Ort um ihn mit einem herzlichen
Kiss-In zu begrüssen. Verschiedene Gay Organisationen luden via
Facebook dazu ein, um damit ein Zeichen gegen die homophoben
Tendenzen zu setzen, welche von der katholischen Kirche und
dessen Oberhaupt ausgehen. Die moralische Verurteilung der
Sexualität, erklärte ein Sprecher von "Asamblea Transmaricabollo
de Sol", einer der am Aufruf beteiligten Gruppen, sei einer der
Gründe für diese Aktion.
Bereits während dem letzten Besuch von Papst Benedikt XVI in
Spanien, das war im November 2010 in Barcelona, wurde er mit
einem Kiss-In begrüsst. Damals nahmen rund 200 Schwule und
Lesben an der Aktion teil (gay.ch
berichtete). Dass der Papst innerhalb kürzester Zeit Spanien
besucht dürfte wohl seine Gründe haben. Einerseits ist das Land
stark katholisch geprägt, und zudem hat der spanische
Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero die Ehe für
gleichgeschlechtliche Paare geöffnet und vollständig gleich
gestellt, die Gesetzgebung rund um Schwangerschaftsabbrüche
gelockert und der Prozess für Scheidungen beschleunigt, weshalb
der Papst Zapatero immer wieder öffentlich massiv kritisierte.
Benedikt XVI hat nun wohl gedacht, dass seine Schäfchen in
Spanien etwas Zuneigung von ihm gebrauchen können.
Doch die Protestaktion der Schwulen, Lesben und Transgender ist
längst nicht die einzige, welcher der Papst an diesem Donnerstag
begegnet ist. Tausende demonstrierten auch gegen den Papstbesuch
an sich, weil ihrer Meinung nach Steuergelder für den Besuch
ausgegeben werden um die Sicherheit zu garantieren. Dies stösst
vielen sehr sauer auf, zumal Spaniens Wirtschaft derzeit arg
geschwächt ist und die enorme Schuldenlast das Land zu erdrücken
droht.
Gegen eine Millionen Katholiken werden zum Weltjugendtag in
Madrid erwartet. Die Festivitäten dauern vom 16. bis zum 21.
August, und zum Höhepunkt, ab dem 18. August, wird auch Papst
XVI in Madrid vor Ort sein um die letzten vier Tag mit den
Jugendlichen zu verbringen. Willkommen geheissen wird er auf dem
Plaza Cibeles im Zentrum der spanischen Hauptstadt.
Im Oktober wird der Papst zudem Berlin besuchen: Auch dort sind
ähnliche Aktionen geplant wie jetzt in Madrid. Eine grosse
Gegendemonstration vor dem Brandenburger Tor wurde hingegen
verboten (gay.ch berichtete). |