templates image

SLOWENIEN: Mehr Rechte für schwullesbische Paare
family image(01.07.11/dom) Als einziges Land Ex-Jugoslawiens will Slowenien den gleichgeschlechtlichen Paaren mehr Rechte gewähren. Das Parlament und der Staatsrat sind für eine entsprechende Gesetzesänderung, doch nun könnte es zu einer Volksabstimmung kommen…

Am Anfang stand ein Gerichtsurteil. Der Verfassungsgerichtshof von Slowenien hat nämlich geurteilt, dass eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft durchaus ebenbürdig sei wie eine Ehe respektive eine heterosexuelle Partnerschaft. Um dieses Urteil auch mit aller Konsequenz umzusetzen, sah die Regierung Sloweniens damals im Dezember 2009 vor, die Ehe zu öffnen und für schwullesbische Paare zugänglich zu machen. Dabei wollte die Mitte-Links-Koalition etwa auch, dass Adoptionen ebenfalls für homosexuelle Paare offen stehen sollen. Doch die Opposition leistete gegen dieses Vorhaben massiven Widerstand und blockierte die parlamentarische Arbeit während Monaten, und so musste die Regierung zahlreiche Kompromisse eingehen. Erst als die Regierung im April 2011 einen neuen Entwurf des so genannten Familiengesetzbuch vorlegte, welcher deutlich weniger weit geht in Bezug auf die Rechte für gleichgeschlechtliche Paare, konnte die parlamentarische Debatte wieder aufgenommen werden. Damit wurde die Homo-Ehe quasi auf ein Partnerschaftsgesetz zurückgestuft - doch mit einer trotzdem immer noch beachtlichen Mass an Gleichstellung.

Doch auch die abgeschwächte Form des Gesetzes stiess auf Widerstand, diesmal aber von der Liberaldemokraten (LDS), der kleinsten Partei der Regierungskoalition, welche monierte, dass zu viele Kompromisse an die Konservativen gemacht wurden. Doch schlussendlich konnte man sich innerhalb der Koalition im Parlament doch noch finden, und das Familiengesetzbuch wurde nun mit 43 zu 38 Stimmen angenommen. Wesentlich enger war es im Staatsrat: Dort versuchte man ein Veto zu erreichen, was jedoch bei der Abstimmung aufgrund eines Unentschiedens - 17 zu 17 Stimmen - misslang. Doch trotzdem, das Partnerschaftsgesetz ist noch nicht im trockenen. Die Opposition hat bereits zusammen mit der katholischen Kirche zusammen begonnen, Unterschriften für eine Bürgerinitiative mit dem Titel "Für Familie und für Kinderrrechte" zu sammeln. Bereits innerhalb kurzer Zeit sind so 32'000 Unterschriften zusammen gekommen, nötig wären nur 2'500 gewesen. Die Chancen, dass die Initiative bei der Bevölkerung durchkommt, stehen gut. Die Regierung hat derzeit, nicht zuletzt aufgrund der Finanz- und Eurokrise, einen schweren Stand in Slowenien und hat die letzten fünf Abstimmungskämpfe verloren. Gut möglich, dass sie sich deshalb einmal mehr an das Verfassungsgericht wenden, welches die Initiative für ungültig erklären könnte.