templates image

RUSSLAND: Nikolai Aleksejew ist wieder frei
family image(20.09.10/dom) Lange war nicht klar, wie es um das Schicksal des vom russischen Geheimdienst entführten Schwulenaktivisten Nikolai Aleksejew steht. Am Samstagnachmittag wurde er wieder freigelassen.

Am Mittwoch wurde Nikolai Aleksejew am Moskauer Flughafen festgenommen, und zwar nicht von der Grenzpolizei, sondern von Beamten des russischen Geheimdiensts in Zivil. Nach internationalen Protesten ist der Rechtsanwalt und Menschenrechtsaktivist am Samstagnachmittag wieder freigelassen worden. Was genau zwischen seiner Verhaftung und seiner Freilassung passiert ist, ist noch nicht vollständig bekannt.

Wie Nikolai Aleksejew gegenüber dem russischen Radiosender "Moskauer Echo" erklärte, sei er nach Tula gebracht worden, eine Stadt rund 180 Kilometer von Moskau entfernt. Da er eine Klage gegen die Stadtverwaltung der russischen Hauptstadt eingereicht hat, weil diese bereits mehrfach Gay Prides verboten hat, wurde er nun von den Beamten unter Druck gesetzt, dass er diese wieder vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zurückziehe.

Eine vom LSVD, dem "Lesben- und Schwulen-Verband Deutschland", für Sonntag geplante Demonstration vor der russischen Botschaft in Berlin wurde aufgrund der Freilassung von Nikolai Aleksejew kurzfristig abgesagt. Die Organisation teilte jedoch mit, dass man die Kritik an den Menschenrechtsverletzungen durch Russische Behörden aufrechterhalten werde.
 
RUSSLAND: Organisator der Moskau Pride verhaftet
(17.09.10/dom) Er ist Rechtsanwalt, Menschenrechtsaktivist und er ist auch Veranstalter der Pride in der russischen Hauptstadt. Am vergangenen Mittwochmorgen wurde Nikolai Alexejew nun am Flughafen von Moskau verhaftet. Die Umstände sind undurchsichtig, doch bereits formiert sich internationaler Widerstand in der Gay Community und in der Politik.

Nicht etwa von der russischen Grenzpolizei wurde Nikolai Alexejew am Domodedovo-Flughafen in Moskau verhaftet, sondern, wie aus einer Medienmitteilung hervorgeht, vom russischen Geheimdienst FSB. Dieser Fakt wirft ein sehr bizarres Licht auf diesen Vorfall. Spekulationen werden dahingehend laut, dass die Verhaftung eine weitere Drohgebärde gegen Alexejew ist, um ihn dazu zu bewegen, dass er seine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zurückziehen soll. Nikolai Alexejew reichte die Klage ein, weil er die Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Russland nicht mehr länger dulden wollte. Bereits mehrfach wurde die Gay Pride in Moskau in den vergangenen Jahren verboten (gay.ch berichtete), und auch die erste Pride in St. Petersburg wurde in diesem Jahr verboten (gay.ch berichtete).

Für den 21. September wäre zudem eine Protestaktion in Moskau geplant gewesen, um gegen die homophoben Äusserungen (gay.ch berichtete) von Moskaus Bürgermeister Luschkow zu demonstrieren. Gut möglich, dass der Geheimdienst mit dieser Verhaftung einer der führenden Mitglieder der Bewegung schon mal aus dem Verkehr ziehen wollte. Die Demonstration findet unter dem Slogan "Luschkow - Gomiki" statt - zu deutsch: "Luschkow - Schwuchteln", denn so hat der Bürgermeister die Schwulen bei einem TV-Auftritt bezeichnet. Ein Gericht hat zudem erst vor kurzem darüber geurteilt, das "Gomiki" keine Beleidigung sei.

Bereits haben sich die Deutsche Botschaft in Moskau und auch das Deutsche Auswärtige Amt eingeschalten um für die Freilassung von Nikolai Alexejew einzustehen. Auch der LSVD, der "Lesben- und Schwulen-Verband Deutschland", sowie der Grüne-Politiker Volker Beck verurteilen die Verhaftung aufs Schärfste. Sie rufen deshalb zu einer "Free Nikolai-Mahnwache" vor der russischen Botschaft in Berlin auf. Diese soll, sofern Nikolai Alexejew bis dann noch nicht freigelassen wurde, am Sonntag, 19. September um 14.30 Uhr in Unter den Linden stattfinden.

Die Verhaftung von Nikolai Alexejew stand offenbar im Zusammenhang mit anderen Aktionen gegen Menschenrechtsgruppen. Die russische Führung versucht mit solchen rechtswidrigen Aktionen immer wieder die freie Meinungsäusserung zu unterbinden und die Menschenrechtsaktivisten einzuschüchtern. Bereits sind diesbezüglich zahlreiche Klagen vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg eingereicht worden, doch die russische Führung setzt alles daran um die Prozesse hinauszuzögern. Sie seien überlastet und würden für ihre Verteidigung noch mehr Zeit gebrauchen, heisst es jeweils, doch derweil werden Menschenrechte wie die freie Meinungsäusserung und die Versammlungsfreiheit weiter mit Füssen getreten.