(04.10.10/dom)
Es sei ein historischer Tag, erklärte Schwulenaktivist
Nikolai Alexejew, denn erstmals durften Schwule offiziell in der
russischen Hauptstadt Moskau demonstrieren. Die Protestaktion
fand vor dem russischen Büro der Swiss International Air Line
statt - doch es blieb nicht nur bei der Demo gegen die
Fluggesellschaft: Alexejew hat angekündigt Swiss zu verklagen.
Rund zehn bis zwanzig Personen haben sich am Freitag vor den
Büros der Schweizer Fluggesellschaft Swiss International Air
Lines versammelt um zusammen mit Nikolai Alexejew zu
demonstrieren. Er wirft der Fluggesellschaft vor, dass sie seine
Verhaftung vor einigen Tagen zugelassen habe (gay.ch
berichtete). Wie Alexejew gegenüber den Medien erklärte, wollte
er am 15. September am Moskauer Flughafen Domodedovo einen Flug
mit der Swiss in Richtung Genf besteigen. Er sei schon durch die
Passkontrolle durchgekommen, habe auch den Ausreisestempel in
seinen Pass erhalten. Danach sei er jedoch von der Polizei und
von Flughafenpersonal in einen separaten Raum gebracht worden,
wo sein Handgepäck noch einmal extra durchsucht worden sei. Es
sei auch ignoriert worden, als er die Beamten daraufhingewiesen
habe, dass es gegen das Völkerrecht verstosse, dass er nun
festgehalten werde, weil er sich nach der Passkontrolle auf
internationalem Boden befinde. Alexejew wirft nun der Swiss vor,
dass sie seine Verhaftung erst ermöglicht habe, denn er sei aus
dem Abflugbereich der Swiss verhaftet worden. Anders sieht es
hingegen Swiss International Air Lines: Eine Sprecherin
erklärte, dass Nikolai Alexejew bereits an den
Sicherheitsschleuse festgehalten worden sei. Die Beamten habe
man dann bestellt, weil der den Sicherheitscheck nicht bestanden
habe. Er habe gar nie internationalen Boden betreten.
Die Demonstration vor den Büros der Swiss war von den Behörden
offiziell genehmigt worden. Es war damit die erste Demonstration
von Homosexuellen überhaupt, welche durch die Stadt Moskau
bewilligt wurde, und dies nur wenige Tage nach dem der
Bürgermeister Juri Luschkow, welcher sich jeweils für ein Verbot
stark machte, abgesetzt wurde (gay.ch berichtete). Rund zehn bis
zwanzig Demonstranten forderten mit Plakaten zum Boykott der
Fluggesellschaft auf. Laut Augenzeugen ist es auch zu
Gegendemonstrationen von Rechtsradikalen und Ultranationalisten
gekommen. Die Polizei hat sie in Schach gehalten um die Schwulen
vor Übergriffen und Gewalt zu schützen. Dabei wurden auch vier
Gegendemonstranten verhaftet. |