(28.06.11/dom)
Obwohl der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte den
LGBTs offiziell das Recht zur Durchführung einer Gay Pride
zugesprochen hat, kam es während der Demonstration in St.
Petersburg erneut zu Verhaftungen.
Einmal mehr wurde die Gay Pride nicht bewilligt, doch die
Teilnehmer liessen sich nicht durch das Verbot abschrecken und
sie trafen sich im Zentrum von St. Petersburg beim Denkmal
des Stadtgründers Peter der Grosse. Der Ort war kein Zufall, wie
die Aktivisten betonten, denn Peter der Grosse habe eine Stadt
mit europäischen Werten gegründet. Damit spielen sie darauf an,
dass in Russland schwullesbische Demonstrationen für mehr Rechte
nach wie vor von den Behörden verboten werden - was im übrigen
Europa kaum mehr der Fall ist. Auch der russische Präsident Dmitry Mevedev habe dies immer unterstrichen, dass Russland
heute die gleichen Werte teile wie Europa. Das gelte jedoch
offenbar nicht für die Grundrechte von Minderheiten, erklärten
sie weiter.
Unter den Demonstranten war auch Nikolai Alekseyev, der wohl
hartnäckigste Schwulenaktivist und Kritiker am russischen
Regime, der trotz zahlreicher Verhaftungen nicht aufgegeben hat,
sich für die Rechte der LGBTs in Russland einzusetzen. In
den vergangenen sechs Jahren habe er schon viele solche Szenen in
Moskau miterlebt, erklärte er, doch solcher Zynismus, wie er ihn
nun in St. Petersburg vorgefunden habe, sei schon einzigartig.
Da die Polizei ihn mittlerweile kennt, wurde auch er wieder
abgeführt und verhaftet.
Die Demonstration vor dem Denkmal blieb denn auch nicht lange
unbemerkt. Eine Gruppe von ultrakonservativen und
rechtsradikalen Gegendemonstranten war ebenfalls vor Ort und sie
griffen die LGBT-Teilnehmer gewaltsam an. Und auch die Polizei
griff hart durch und verhaftet 14 Schwulenaktivisten, aber auch
ein paar Gegendemonstranten. Über den Verbleib der Verhafteten
gibt es widersprüchliche Informationen: Einige Quellen
berichten, dass sie nach einigen Stunden in Haft wieder
freigelassen wurden, andere Medien schreiben aber auch, dass es
immer noch LGBT-Aktivisten gebe, die sich in Haft befinden. |