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SCHWEIZ: Zum Welt-Aids-Tag - BAG stellt Informationsbroschüre und Aktionen im 2012 für die Szene vor
family image(30.11.2011/lp) Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will nächstes Jahr mit einer Aktion in der Gayszene versuchen, die Zahl der HIV-Neuinfektionen nach unten zu drücken. Bei Erfolg könnte diese Idee dann als Vorbild für weitere Länder dienen. Ausserdem könnte damit verhindert werden, dass die Kosten im Gesundheitswesen explodieren, und dass sich die Zahl schwuler Männer, die eine antiretrovirale Therapie benötigen, in den nächsten zehn Jahren, wie vorausgesagt, verdoppeln könnte.

Obwohl sich schwule Männer gut schützen, nehmen HIV-Diagnosen stetig zu. An einer Pressekonferenz vom Mittwoch wurden die Gründe dafür aufgezeigt und die Hintergründe erklärt. Die grösste Sorge liegt in den ersten drei Monaten, der so genannten Primoinfektion, einer hoch ansteckenden Phase. Während dieser Zeit steckt eine Person andere zwanzig bis hundert Mal schneller an, als jemand, der schon länger infiziert ist.

EINDRÜCKLICHE ZAHLEN

Ebenso eindrücklich war die Rechnung, die Roger Staub, Leiter Sektion Prävention und Promotion, Abteilung übertragbare Krankheiten, des Bundesamt für Gesundheit, machte: Je nach dem, wie lange ein Patient noch lebt, kann die Therapie bis zu sein Tod rund eine Million Franken kosten. Eine weitere Zahl: Von den HIV-Positiven in der Schweiz sind rund die Hälfte Homosexuelle. Wenn man bedenkt, dass die Schwulen eine kleine Gruppe der Bevölkerung ausmachen (5 bis 10 Prozent), dann liegen die 50 Prozent massiv über der „mathematischen Gleichung“.

OFFENE BEZIEHUNGEN

Weiter wurde aufgezeigt, dass gerade Paare, die in einer offenen Beziehung leben, ein weiteres Ansteckungspotential birgt: Wenn man sich testen liess und deshalb ohne Gummi Geschlechtsverkehr hat, ist damit der Weg frei für eine Übertragung des Virus. Das passiert vor allem, wenn man sich beim Sex mit einem Fuckbuddy, bei dem man sich eigentlich sicher fühlt, ausserhalb der Beziehung ansteckt, und man in diesem scheinbar vertrauten Umfeld wiederum „Unsafer Sex“ hat.

INFORMATIONSBROSCHÜREN

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) will mit der heute vorgestellten Broschüre „Sex unter Männern“ erreichen, dass sich schwule Männer zudem besser informieren. In dieser Broschüre werden auch Statistiken gezeigt, die aufzeigen, wie negativ die Entwicklung ist: Wenn nichts geschieht, wird sich die Anzahl schwuler Männer, die eine antiretrovirale Therapie benötigen, in den nächsten zehn Jahren voraussichtlich verdoppeln. Die Broschüre liegt in den Gay-Lokalen auf. Download oder die Bestellung eines gedruckten Exemplars auf: www.bag.admin.ch/aids

AKTIONEN IN DER SZENE

Die Grundidee der Aktion ist einfach: Im Frühling 2012 möglichst viele schwule Männer zu motivieren, einen Monat lang die Safer-Sex-Regeln einzuhalten und damit während dieser Zeit Neuinfektionen möglichst zu verhindern. Dabei sind neue Ansätze in der Prävention vorgesehen. „Unser Hauptziel ist es, dafür zu sorgen, dass weniger Männer mit einer hochansteckenden Primoinfektion in der der Gay-Szene unterwegs sind“, so Andreas Lehner von Checkpoint Zürich, dem Gesundheitszentrum für schwule Männer. Der Aktionsplan setzt Checkpoint Zürich zusammen mit dem Checkpoint Genf und mit Unterstützung der Aids-Hilfe Schweiz im Auftrag des BAG um.

VORBILD-PROJEKT?

Man hofft, dass möglichst viele mitmachen, um ein noch besseres Resultat zu erreichen, als 2008 mit „Mission Possible“ – eine Aktion, die tiefere Ansteckungszahlen mit sich gebracht hat. Der Hauptunterschied von 2008 zum Frühling 2012 jedoch liegt darin, dass man nur einen Monat anstatt deren drei „durchhalten“ muss. Sollte dieses Experiment wirklich gelingen und zum Erfolg führen, dann könnte die Schweiz als Vorbild dienen, damit andere Länder ebenfalls versuchen, eine solche Aktion durchzuführen.

Eine Impfung gibt es keine, und mit teuren Medikamenten kann keiner geheilt werden. Deshalb bleibt dem BAG nichts anderes übrig, als solche Aktionen zu starten: Man wünscht sich, dass die Zahlen bei den Schwulen endlich nach unten gehen: Wie das bei den Heteros der Fall ist…