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POLEN: Homo-Ehe über Umwege?
family image(09.02.11/dom) Für die Konservativen in Polen ist es wohl eine Horror-Vorstellung, und dementsprechend üben sie sich derzeit in Empörung und Aufruhr: Da derzeit darüber debattiert wird, inwiefern internationales Recht in Polen adaptiert werden soll, könnte es passieren, dass schlussendlich gar die so genannte Homo-Ehe eingeführt wird.

Kürzlich haben die Regierungsparteien ein Gesetz beschlossen, welches regelt, welche Teile des internationalen Rechts in Polen in welchem Ausmass angewendet werden soll. Dazu gehört auch ein Gesetz, welches Eheschliessungen im Ausland regelt. So sollen diese neu auch automatisch in Polen gelten, was bedeuten würde, dass im Ausland geschlossene, gleichgeschlechtliche Ehen auch in Polen anerkannt werden müssten. So sieht es zumindest die "Recht und Gerechtigkeit", kurz: PiS, die rechtskonservative Oppositionspartei, welche der Regierung unterstellt, mit dieser Gesetzgebung die Homo-Ehe über eine Hintertüre einführen zu wollen. Die Partei setzt nun alle Hoffnungen auf den Senat, denn dieser muss das Gesetz noch endgültig absegenen. Es gilt jedoch als sehr unwahrscheinlich, dass der Senat, welcher ebenfalls von den regierenden Parteien dominiert wird, das Gesetzespaket ablehnen wird.

Die "PiS" reichte im Parlament den Vorschlag ein, den umstrittenen Artikel noch zu ergänzen, um zu erreichen, dass die Regelung nur für Ehen, welche zwischen Mann und Frau geschlossen wurden, geltend zu machen. Die anderen Parteien wollten davon aber offenbar nichts wissen und verwarfen den Vorschlag wieder. Dies jedoch nicht etwa, weil man plötzlich eine 180-Grad-Kehrtwende vollzogen hat, und die so genannte Homo-Ehe befürwortet, sondern viel eher durch die Meinung des polnischen Justizministers Krzysztof Kwiatkowski, welcher die aufgebrachten Konservativen beruhigte, dass das neue Gesetz daran nichts ändere, dass in Polen eine Ehe nur eine Verbindung zwischen Mann und Frau sein kann.

Anders sieht es allerdings der ehemalige Verfassungsrichter Andrzej Maczynski. Er erklärte gegenüber der Zeitung "Nasz Dziennik", dass durch das neue Gesetz durchaus die Möglichkeit bestehe, dass gleichgeschlechtliche Paare, die im Ausland geheiratet haben, daraus gewisse Rechte ableiten können. Via der Zeitung "Gazeta Wyborcza" widersprach jedoch ein anderer Experte. Er entgegnete, dass die Richter bei möglichen Streitfällen, etwa in Bezug auf das Adoptionsrecht, nur aufgrund der polnischen Rechtssprechung urteilen würden. Wie es wohl ausgehen wird, müssen wohl dann die Gerichte neu beurteilen, vorausgesetzt, der Senat stimmt dem umstrittenen Artikel überhaupt zu…