(25.11.10/dom)
Die Ansteckungsrate mit dem HI-Virus kann offenbar durch die
regelmässige Einnahme von antiretroviralen Kombi-Präparaten
gesenkt werden. Zu diesem Schluss kommt eine neue, breit
angelegte Studie, welche im "New England Journal of Medicine"
veröffentlicht wurde.
Die Probanden wurden im Durchschnitt während einem Jahr und
drei Monaten betreut und untersucht. Daran teilgenommen haben
rund 2500 schwule oder transsexuelle Männer, welche nicht mit
dem HI-Virus angesteckt sind, und sie stammten aus den USA,
Südafrika, Thailand, Ecuador, Brasilien und Peru. Eine Gruppe
erhielt dabei eine Kombination der beiden Medikamente Tenofovir
(Truvada) und Emtricitabin, während die zweite Gruppe nur mit
einem Placebo behandelt wurde. Im Weiteren wurden beide Gruppen
über sicheren Geschlechtsverkehr aufgeklärt, und sie erhielten
Ratschläge über Kondome und eine Behandlung anderer sexuell
übertragbarer Krankheiten.
Bei jenen Männern, welche mit einem Placebo behandelt wurden,
kam es zu 100 Neuinfizierungen mit dem HI-Virus. Dem gegenüber
standen 36 Ansteckungen bei den Probanden, welche mit dem
Medikamentecocktail behandelt wurden. Das Risiko einer Infektion
konnte damit während der Studienphase um 43.8 Prozent minimiert
werden. Gar um 72.8 Prozent sank das Infektionsrisiko, wenn die
Probanden die Medikamente regelmässig, das heisst während mehr
als neunzig Prozent während der Dauer der Studie, eingenommen
haben. Grundsätzlich wurden die Medikamente von den Teilnehmern
gut vertragen, nur eine kleine Gruppe litt unter einer leichten
Erhöhung des Creatinin-Werts und klagte über Übelkeit. Mehr
Grund zur Sorge veranlassten allerdings drei Probanden, welche
eine Resistenz gegen den Komponenten Emtricitabin gebildet
haben.
Die Forscher bezeichneten die Studie als Erfolg, doch trotzdem
gibt es Bedenken. Die Medikamente quasi prophylaktisch zu
verabreichen ist mit enormen Kosten verbunden, da
antiretroviralen Kombinationspräparate nach wie vor sehr teuer
sind. Zudem wäre es von grosser Wichtigkeit, dass die
Medikamente absolut regelmässig eingenommen werden um die
grösstmögliche Schutzwirkung zu erzielen. Die Bildung von
Resistenzen könnte sich zu einem weiteren Problem entwickeln.
Zudem wiesen die Forscher explizit darauf hin, dass auch mit
einer solchen Therapie weiter nicht auf Kondome verzichtet
werden dürfe, da diese immer noch den besten Schutz gewähren. |