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MAROKKO: Elton John-Konzert entfacht Debatte über Homosexualität
family image(28.05.10/dom) Mit seinem Konzert in Marokko hat Elton John die Toleranz des muslimischen Landes arg strapaziert. Aufgrund seiner Homosexualität hagelte es massive Proteste von konservativen Islamisten, während die Königsfamilie, die Behörden und auch die Fans den Popstar unterstützten.

Über tausend Polizisten und Sicherheitsleuten seien extra für dieses Konzert in der marokkanischen Hauptstadt Rabat aufgeboten worden, erklärte Gouverneur Hassan Amrani, und aus diesem Grund sei es zu keinerlei Gewaltausbrüchen gekommen. Denn das Elton John-Konzert war nicht irgendein Event, sondern, es stellte die Toleranz des nordafrikanischen Königreichs auf eine harte Probe. Bereits im Vorfeld lieferten sich Konservative und Fortschrittliche eine harte Debatte darüber, ob das Konzert überhaupt durchgeführt werden dürfe, da Homosexualität in Marokko illegal ist. Auf der anderen Seite zeigt sich das Land allerdings auch gewillt, sich zu modernisieren. So ist Marokko bereits seit einiger Zeit für seine ausschweifende Partyszene bekannt, welche auch immer wieder andere, schwule Celebrities wie etwa Yves Saint Laurent anzog. Vor kurzem wurde mit "Mithly" sogar ein erstes Gay Magazin, das erste in der gesamten arabischen Welt. veröffentlicht. Die Gruppierung, welche dieses publiziert, hat ihren Sitz allerdings in Spanien.

Die jüngsten Diskussionen, die sich am mit dem Besuch von Elton John entluden, zeigen auf, dass das Land immer mehr gespalten wird: Auf der einen Seite stehen unter anderem die Behörden, welche sich für ein fortschrittliches und modernes Marokko einsetzen, und auf der anderen die konservativen, islamischen Strömungen, welche sich derzeit in der politischen Opposition befinden. Die Behörden erklärten, dass sie das "Mawazine Festival", für welches Elton John eingeladen wurde, erlaubt haben, um einerseits ein vielfältiges, kulturelles Angebot, aber auch um die Offenheit der Bevölkerung zu fördern. Es gehöre zum Ziel des Königs, um das Land und die Gesellschaft mit solchen kulturellen Veranstaltungen, aber auch mit Projekten für einen fortschrittlichen Islam, und mit neuen Schulen zu modernisieren. Damit soll nicht zuletzt auch ein Gegenpol zur derzeit stärksten politischen Kraft bestehend aus konservativen islamitischen Gruppierungen geschaffen werden. Im Weiteren teilte der Veranstalter mit, dass sie ihre Künstler aufgrund ihres Schaffens einladen und nicht aufgrund ihres Privatlebens. Das Privatleben von jemandem sei eine Sache, dessen Kunst und sein kreatives Schaffen eine ganze andere. Der König selber setzte auch ein starkes Zeichen, indem er das Patronat über das Festival übernahm.

Von den Gegnern wurde hervorgebracht, dass Elton John für sein homosexuelles Verhalten bekannt sei, und dass er auch in der Öffentlichkeit dafür einstehe.  Für Homosexualität zu werben sei völlig inakzeptabel, fügten sie hinzu. Homosexualität sei gegen die Werte der islamischen Welt, und sie würden befürchten, dass Elton John die Leute in Marokko zu diesem "Phänomen" ermuntern würde, und ein schlechter Einfluss für die Jugend sei. Homosexualität kann in Marokko mit Bussen und Haftstrafen von sechs Monaten bis zu drei Jahren bestraft werden. Das Gesetz wurde jedoch bislang kam angewandt. Die Behörden und auch die Gesellschaft zeigte sich diesbezüglich jeweils relativ nachsichtig, und auch in Bezug in andere Gesetze des Islams, wie etwa das Alkohol trinken wird in Marokko eher lockerer gesehen. Daher stellt das Land auch eine grosse Ausnahme in der arabischen Welt dar, während in den anderen Ländern Homosexualität ein Tabu darstellt, so ist in Marokko zumindest die Debatte darüber möglich.

Das Konzert war schlussendlich ein voller Erfolg: Der Gouverneur von Rabat erklärte, dass rund 50'000 bei diesem Gratis-Konzert anwesend gewesen seien. Andere Quellen indes sprachen von 15'000 Zuschauern. Weniger Aufsehen erregte dabei Mika, welcher ebenfalls bei diesem Festival, welches vom 21. bis zum 29 Mai stattfindet, auftreten wird. Mika hat sich im vergangenen Jahr offiziell als bisexuell geoutet. Weniger gut verliefen die Diskussionen über ein Elton John Konzert in Ägypten, dort wurde ein Gig nämlich behördlich verboten.