(17.06.10/dom)
Das Städtchen heisst Mtwapa und liegt rund sechzehn Kilometer
nördlich der kenianischen Küstenmetropole Mombasa: Viele Schwule
leben oder machen Ferien dort, angezogen von der offenen und
liberalen Atmosphäre im Ort.
Obwohl Homosexualität, wie in den meisten Ländern Afrikas,
auch in Kenia verboten ist und mit fünf bis vierzehn Jahren Haft
bestraft werden kann, gibt es an der Küste ein Städtchen,
welches sich bislang durch seine offene und liberale Haltung
auszeichnet. Doch diese "einmalige" Atmosphäre ist nun in
Gefahr. Wie in anderen Ländern der Region, so etwa in Uganda
oder Malawi, haben jedoch die homophoben Tendenzen auch in
Mtwapa zugenommen. So warnen unter anderem auch
Menschenrechtsorganisationen, dass sich Afrika immer stärker
gegen Homosexuelle stellt und damit Schwule und Lesben zum
Verstecken ihrer sexuellen Neigungen zwingt.
Vielen Geistlichen, aber auch lokale Politikern, ist diese Offenheit in
Bezug auf Homosexualität ein Dorn im Auge. So rufen bereits
mehrere Führer zum Kampf gegen die schwule Liebe auf:
Homosexualität sei eine Sünde und sollte mit dem Tod bestraft
werden, erklärte etwa ein Imam der örtlichen Moschee.
Viele machen sich aber auch Sorgen aufgrund von HIV/Aids und
aufgrund des immer stärker zunehmenden Sextourismus in der
Region. Sie erklären zudem, dass schwule Männer - das
Lesbischsein ist in Kenia nicht strafbar - zudem für ihre
Homosexualität werben und andere bekehren würden.
Anders klingt es von Seiten der Schwulen selber. Sie sind
geschockt ob der immer stärker aufflammenden Homophobie in
Mtwapa. Homosexualität und Prostitution würden nicht
zusammengehören, erklären sie. Schwules Leben hat mit Liebe zu
tun, und viele Gays leben sehr lange mit ihren Partnern
zusammen. Seit Jahren seien die Schwulen in den Ort gekommen und
haben dort ihre eigenen Bars und Clubs ohne jegliche Probleme
eröffnet. Doch immer mehr setzt sich nun die örtliche
Bevölkerung zur Wehr und die "Homo-Frage" ist nun auch im
lokalen Wahlkampf zu Thema geworden.
Das Leben für die Schwulen in Mtwapa wird immer härter und sie
müssen sich immer stärker in Acht nehmen. Bereits fordern erste
Politiker, dass Kenia das umstrittene Gesetz von Uganda (gay.ch
berichtete). |