(29.08.10/dom)
Er hat den Wahlkampf von George W. Bush geleitet, und diesem
damit zum Amt des US-Präsidenten verholfen, zudem war er
Vorsitzender der republikanischen Partei und er hat sich auch
mehrfach mit aller Deutlichkeit gegen die so genannte Homo-Ehe
ausgesprochen. Doch nun ist alles anders - Ken Mehlman hat sich
selber als schwul geoutet…
Normalerweise freut sich die Gay & Lesbian Community über
prominenten Zuwachs, doch in diesem Fall dominieren andere
Gefühle, nämlich Verärgerung und Enttäuschung. Es ist ja auch
ein besonderer Fall: Das Outing von Ken Mehlman, einem
ehemaligen Spitzenpolitiker und Homo-Ehe-Gegner. Er fühle sich
als besserer und vor allem auch als glücklicher Mensch. Er habe
sich erst bei seinen Freunden und bei der Familie geoutet, und
er wünschte, dass er dies schon vor Jahren gemacht hätte,
erklärte er in einem Interview. Und wenn schon geoutet, dann
gleich mit einer totalen Kehrtwende: Er wolle sich als Anwalt
auf schwullesbische Belange konzentrieren, erklärte Mehlman. Ob
er da Klienten finden wird, ist allerdings fraglich, denn noch
immer hallen seine Aussagen gegen die Homo-Ehe nach.
Damals, im Jahr 2004, als es um die Wiederwahl von US-Präsident
George W. Bush ging, waren es nicht zuletzt solche konservativen
Äusserungen, welche Bush schlussendlich zur Wahl verholfen
haben. Indem sich die Republikaner mit Vehemenz gegen die so
genannte Homo-Ehe aussprachen und auch sonst nicht mit
homophoben Aussagen geizten , konnten sie vor allem bei den
evangelikalen Wählern punkten und damit Stimmen gewinnen.
Strippenzieher dieses Wahlkampfs war damals niemand geringeres
als Ken Mehlman. Zu seinem Sinneswandel kann man jetzt sagen:
Lieber spät als gar nie, doch, es überrascht nicht, dass viele
in der Community fordern, dass sich Mehlman für seine Aussagen
von damals entschuldigen solle, und dass er anerkenne, dass er
damit grossen Schaden für die Schwulen, Lesben und Transgender
angerichtet hat.
In den letzten Jahren ist Ken Mehlman immer wieder öffentlich
als schwul bezeichnet worden. So auch am 8. November 2006, als
Mehlman bei "Larry King Live" im CNN auftrat. Der Comedian Bill
Maher - hierzulande unter anderem bekannt durch seinen Film "Religulous"
- bezeichnete ihn damals als "versteckten, schwulen Mann". Doch
genau dieser Teil wurde später aus der Talkshow rausgeschnitten,
was CNN später in Kritik brachte. Direkt angesprochen verneinte
Mehlman seine angebliche Homosexualität stets: Er sei nicht
schwul, aber diese Gerüchte hätten ihn sechs Monaten seines
Single-Liebesleben gekostet.
Aber eben: Jetzt ist alles wieder anders - wie Ken Mehlman
bekannt gab, will er sich dafür einsetzen, dass die Ehe auch für
gleichgeschlechtliche Paare geöffnet wird. Mit seinem Outing
steht der ehemalige Politiker keinesfalls alleine da. In den
letzten Jahren und Jahrzehnten haben sich eine ganze Reihe von
renommierten Politiker, meist Republikaner, mehr oder weniger
freiwillig geoutet. So wurde im Oktober 1980 bekannt, dass der
Robert Bauman, Abgeordneter der Konservativen für den
Bundesstaat Maryland, Sex mit einem 16-jährigen Callboy hatte.
Bauman war auch Mitglied zahlreicher, konservativer
Gruppierungen, und als der Fall bekannt wurde, kurz vor den
Wahlen, ist er auch nicht wieder gewählt worden. Zudem musste er
sich auch vor Gericht verantworten. Auch Arthur Finkelstein,
ebenfalls ein Republikaner sorgte damals für Schlagzeilen:
Unermüdlich kritisierte er die Demokraten aufgrund deren
Einstellung gegenüber der so genannten Homo-Ehe - heute ist eben
dieser Finkelstein im Bundesstaat Massachusetts wohnhaft, und
mit einem Mann verheiratet.
Das Outing um Ken Mehlman hat in den USA widererwarten kaum
grosse Wellen geworfen. So hat etwa der US-TV-Sender "Fox" - oft
als Sprachrohr der Konservativen verschrieen - das Outing gar
nicht erst in den News gebracht, im Gegensatz dazu CNN. Seitens
der Republikaner wurde das Ganze auch mehr oder weniger unter
dem Deckel gehalten. Einzig ein Statement ging an die
Öffenlichkeit: Man gratuliere Ken Mehlman zu seinem Mut...
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