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USA: Schwarzenegger für sofortige Eheschliessungen für Schwule und Lesben
family image(09.08.10/dom) Ganz am Anfang sprach er sich noch öffentlich gegen die Homo-Ehe aus, doch mittlerweile hat er das Anliegen der Schwulen und Lesben in "seinem" Bundesstaat akzeptiert, und so sprach sie Gouverneur Arnold Schwarzenegger am Freitag sogar deutliche dafür aus, dass gleichgeschlechtliche Paare in Kalifornien ab sofort wieder heiraten dürfen.

Es war am Mittwoch der vergangenen Woche, als Richter Vaughn Walker vom Bezirksgericht San Francisco urteilte, dass das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe, wie es aus einer Volksabstimmung vom November 2008 hervorging, nicht mit der Verfassung von Kalifornien einher gehe (gay.ch berichtete), und deshalb rechtlich nicht durchzusetzen sei. Erfreut zeigten sich darauf nicht nur die Schwulen und Lesben, welche ihren Etappensieg im ganzen Bundesstaat auf der Strasse feierten, sondern auch US-Präsident Barack Obama und Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger sprachen positiv über die Entscheidung des Gerichts. Letzterer meldete sich nun am Freitag nochmals zu Wort und forderte gar, dass die schwullesbischen Paare per sofort wieder heiraten dürfen. Damit stellt sich der Republikaner auch gegen seine Partei, welche sich jeweils gegen die Öffnung der Ehe ausspricht. Doch auch Richter Vaughn Walker möchte wohl die sofortige Wiedereinführung der so genannten Homo-Ehe noch nicht sofort durchsetzen. Wie es scheint, möchte er das Verbot bestehen lassen, bis eine nächst höhere Instanz ebenfalls ein Urteil abgegeben hat. Denn wie die Gegner der Homo-Ehe gleich nach der Urteilsverkündung am vergangenen Mittwoch mitteilten, werden sie das Urteil anfechten und weiterziehen.

Richter Vaughn Walker will sich bis zum kommenden Freitag Zeit nehmen, um sich über das weitere Vorgehen zu entscheiden. Er forderte auch Befürworter und Gegner dazu auf, ihm bis Freitag ihre jeweiligen Argumente zu präsentieren. Wie Arnold Schwarzenegger hat sich auch der kalifornische Generalstaatsanwalt Jerry Brown gemeldet, und ebenfalls die sofortige Wiederaufnahme der Eheschliessung für gleichgeschlechtliche Paare beantragt. Anders sehen es die Gegner. Als schrecklichen Rückschlag betitelte etwas die konservative Lobbygruppe "SaveCalifornia.com" das Urteil. Noch härter drückt es die "American Family Association" aus: Richter Walker habe sein Amt missbraucht um seine "homosexuelle" Agenda durchzusetzen, sagt der Präsident der Organisation, und er sprach auch von "richterlicher Arroganz" im Zusammenhang mit dem Urteil.

Aufgrund dieser enormen Differenzen zwischen den Befürwortern und den Gegnern wird erwartet, dass das Urteil schlussendlich bis vor den Obersten Gerichtshof in Washington weitergezogen wird. Nach diesem Urteil dort könnte nicht mehr in Berufung gegangen werden, und es würde eine Entscheidung für alle Bundesstaaten der USA fallen. Dies birgt für die Schwulen, Lesben und Transgender aber auch Risiken. Denn mit einem Verbot dort, müssten auch jene Bundesstaaten die so genannte Homo-Ehe wieder abschaffen, welche sie bereits eingeführt haben - aber natürlich wäre auch das Gegenteil möglich. Viele Politiker sind aber nach wie vor der Meinung, dass die Entscheidung über die Öffnung der Ehe bei jedem einzelnen Bundesstaat liegen sollte, so wie es eben heute ist.

History rund um die so genannte Homo-Ehe in Kalifornien:

Einen ersten Anlauf nahm im Jahr 2004 ein wahrer Shootingstar unter den Politikern, nämlich der Bürgermeister von San Francisco, Gavin Newsom. Er wies höchstpersönlich die Standesämter seiner Stadt an, ab sofort auch gleichgeschlechtlichen Paaren einen Trauschein auszustellen. Damit erlangte er auch international viel Aufmerksamkeit. Doch die Gegner der so genannten Homo-Ehe, gingen vor Gericht, und nach wenigen Wochen entschied das Oberste Gericht in Kalifornien, dass diese Ehen für ungültig erklärt werden, und dass fortan keine gleichgeschlechtlichen Ehen mehr geschlossen werden dürfen in San Francisco.

Im Mai 2008 führte dann das Oberste Gericht in San Francisco die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare offiziell ein (gay.ch berichtete). Tausende Paare stürmten die Standesämter um endlich heiraten zu können. Doch die Freude war nur von kurzer Dauer. Die Gegner begannen nämlich Unterschriften zu sammeln um eine Volksabstimmung zu erzwingen. Der Abstimmungskampf (gay.ch berichtete) um "Proposition 8" - eben des Verbots der so genannten Homo-Ehe - wurde erbittert geführt, und im November stimmten schliesslich 52 Prozent für Proposition 8, also für ein Verbot der Öffnung der Ehe (gay.ch berichtete). In einem weiteren Urteil wurde aber bestimmt, dass die zwischen Mai und November 2008 geschlossenen Ehe rechtlich gültig bleiben und nicht annulliert werden (gay.ch berichtete).

Im Januar 2010 gelangten nun erneut je ein schwules und lesbisches Paar ans Gericht (gay.ch berichtete). Die Gleichbehandlung, wie sie in der Verfassung steht, sei mit dem Verbot nicht gegeben, zudem verstosse es gegen die Bürgerrechte, und sie würden sich diskriminiert fühlen. Die Gegner wiederum finden, dass die Ehe die Bindung zwischen Mann und Frau umfasse, und dies müsse zwingen geschützt werden. Ein erstes Urteil wurde nun anfangs August gesprochen: Ein Verbot der Homo-Ehe ist verfassungswidrig.