(26.07.10/dom)
Mit einer Gedenkstunde in Buchenwald wurde am Sonntag den
homosexuellen Opfern der Nationalsozialisten gedacht.
Wir sind eindringlich aufgefordert, jeden Tag mit allen uns
zur Verfügung stehenden Mitteln an der Zukunft zu arbeiten, eine
Zukunft ohne Diskriminierung, Rassismus und
Fremdenfeindlichkeit, erklärte Stefan Wolf, Oberbürgermeister
von Weimar, während seiner Rede bei der Gedenkstätte des
Konzentrationslagers Buchenwald. Gegenüber den Überlebenden der
KZ obliege der heutigen Generation eine besondere Verantwortung,
erklärte er weiter.
Nach heutigen Schätzungen wurden unter den Nationalsozialisten
rund 10- 15'000 Homosexuelle in Konzentrationslagern verschleppt –
rund 650 waren als Häftlinge im KZ Buchenwald. Davon wurde rund
die Hälfte umgebracht, oder sie starben an den Folgen von
Krankheiten, Unterernährung, Zwangsarbeit, an medizinischen
Experimenten oder sie wurden ermordet. Auf ihrer
Häftlingskleidung hatten sie den „Rosa Winkel“ zu tragen, der
gleich wie der Juden-Stern, als Erkennungsmerkmal galt.
Zur Gedenkstunde war Rudolf Brazda als Ehrengast geladen. Der
heute 97-Jährige war während drei Jahren im Konzentrationslager
interniert. Er habe Glück gehabt, dass er noch rechtzeitig
befreit worden sei, erklärte er in einer Ansprache. Er werde
versuchen, den nachfolgenden Generationen die Geschichte der
NS-Opfer mit auf den Weg zu geben, erklärte Brazda weiter, so
lange er leben werde. Die Befreiung des KZ war am 11. April
1945. Rudolf Brazda stammt ursprünglich aus
Bossen bei Meuselwitz, doch er verliess nach der Freilassung
seine Heimat und er lebt heute in Frankreich.
Nach der Gedenkstunde, welche von der Aids-Hilfe Weimar
organisiert wurde, fanden am Abend auch noch Podiumsdiskussionen
und Vorträge statt. Auch Rudolf Brazda nahm daran teil und um
seine Erlebnisse aus der damaligen Zeit ausführlicher zu
schildern. |