(11.07.11/dom)
Am Freitagmorgen wurden fünf Gay Aktivisten vor der
russischen Botschaft verhaftet, nachdem sie eine Petition bei
der Botschaft deponieren wollten. Mit der Petition wollen sie
Russland auffordern, die Grundrechte der LGBTs in Russland zu
respektieren und sie verurteilten zugleich das harte Vorgehen
der Polizei während der Gay Pride in Moskau Ende Mai (gay.ch
berichtete).
Ähnliche Aktionen haben bereits vor den russischen
Botschaften in London und in Berlin stattgefunden - ohne
Zwischenfälle. Ganz anders in Paris. Obwohl die "Demonstration",
sofern man überhaupt von einer solchen sprechen kann, auch in
der französischen Hauptstadt absolut friedlich verlief, griff
die Pariser Polizei hart durch und führte fünf
Schwulenaktivisten ab. Unter den Verhafteten waren unter anderem
der bekannte russische Aktivist Nikolai Alekseev, der
amerikanische Fotograf Chad Meacham, sowie Louis-Georges Tin,
welcher den Internationalen Tag gegen Homophobie und Transphobie
ins Leben gerufen hat. Die fünf Männer wurden auf eine
Polizeistation gebracht, um dort ihre Identität zu prüfen.
Die offizielle Begründung für die Festnahme lautet, dass die
Aktivisten an einer unbewilligten Demonstration teilgenommen
haben. Dass die Aktion, bei welcher eine Petition mit 14'000
Unterschriften hätte übergeben werden sollen, aber absolut
friedlich war, das bestätigen auch sämtliche Medienberichte.
Weshalb die Pariser Polizei trotzdem derart hart durchgriff und
Verhaftungen vornahm, ist noch ungeklärt. Vier der Verhafteten
wurden nach einigen Stunden wieder freigelassen - nicht so
jedoch Nikolai Alekseev. Er habe im Polizeiposten auf Englisch
einen Anwalt verlangt, doch die Beamten hätten ihn harsch
angewiesen, dass er hier nicht in Russland sei, und doch besser
in sein Land zurückkehren solle, erklärte Louis-Georges Tin nach
seiner Freilassung. Man habe ihm dann weiter angedroht, dass er
sofort in eine Zelle verfrachtet werde, wenn er nicht ruhig sei.
Dass sich Nikolai Alekseev ungebührlich aufgeführt haben soll,
darf bezweifelt werden, zu oft wurde er schon verhaftet und er
kennt das Prozedere: Vielmehr wird er wohl mit Vehemenz auf
seine Rechte bestanden haben.
Der britische, und international äusserst angesehene
Schwulenaktivist Peter Tatchell zeigte sich empört über das
harte Vorgehen der Polizei. Er forderte das französische
Parlament auf, dass der Vorfall aufgeklärt, und dass die Gründe
für das unverhältnismässige Durchgreifen der Polizei untersucht
werden müssen. Es sei verwunderlich, dass die Aktivisten für das
Überbringen einer Petition verhaftet werden. Man könne dabei
nicht von einer Demonstration sprechen, daher sei auch der
vorgeschobene Grund der Teilnahme an einer unbewilligten
Protestaktion haltlos. Die französische Polizei reagiere genau
gleich wie jene in Moskau, fügte er hinzu, und er stellte auch
gleich die Frage, ob wohl Russland verlangt habe, dass die
Polizei die Übergabe der Petition verhindere.
Das Komitee des "International Day Against Homophobia and
Transphobia (IDAHO)", dessen Gründer Louis-Georges Tin ebenfalls
vor der russischen Botschaft verhaftet wurde, wandte sich
ebenfalls mit einem Statement an die Öffentlichkeit. Frankreich
habe Ende Mai das Vorgehen der Russen während der Gay Pride in
Moskau scharf kritisiert, nun sei es aber die französische
Polizei gewesen, welche die Aktivisten gestoppt hätten. Man sei
schockiert ob dem unvergleichlichen Verhalten der Polizei,
heisst es weiter. IDAHO verlange eine Erklärung des
französischen Innenministers.
Die Meldung der Verhaftungen machten schnell die Runde in Paris
und gegen Abend wurde zu einer kurzfristig organisierten
Demonstration vor der russischen Botschaft aufgerufen. Rund 45
Personen kamen zur Botschaft in Paris und sahen sich dort einem
Polizeiaufgebot von 150 Mann gegenüber.
Am Abend meldete sich auch Nikolai Alekseev wieder zu Wort: Via
Twitter liess er verlauten, dass es das erste Mal für ihn
gewesen sei, dass er ausserhalb von Russland verhaftet wurde. 3
x Fingerabdrücke geben, gewaltsame Attacke durch die Polizei,
10.5 Stunden Haft in einem Polizeiposten, dafür, dass er nur
eine Petition zur Gay Pride in Moskau habe der russischen
Botschaft übergeben wollen. |