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FRANKREICH: Schwuler Fussballer aus Amateur-Verein verbrannt
family image(09.09.10/dom) Nach Deutschland hat nun auch Frankreich seinen Gay Skandal im Fussball, jedoch auf einer anderen Ebene: Ein schwuler Fussballer wurde von seinem Amateurverein ausgeschlossen – die Empörung in der Öffentlichkeit ist gross…

In Deutschland wird derzeit die Nationalmannschaft von einem – zugegebenermassen etwas aufgebauschten – Gay Skandal erschüttert (gay.ch berichtete), und während sich dort (noch) kein Spieler geoutet hat, so hatte das Outing eines Fussballers in Frankreich ganz andere Konsequenzen. Yoann Lemaire spielte seit 14 Jahren in der Abwehr des Amateurvereins FC Chooz – einer kleinen Ortschaft im Norden Frankreichs nahe der Grenze zu Belgien. Doch nun wurde der Spieler von Fussballclub ausgeschlossen – weil er schwul ist.

Er sei tief getroffen von der Entscheidung seines Clubs, erklärte Lemaire. Ob er allerdings selber rechtliche Schritte einleiten werde, wisse er noch nicht. Anders reagierte dabei „Paris Foot Gay“: Die Gay Organisation wandte sich an den französischen Fussballverband und beantragte dort eine Bestrafung des FC Chooz. Die Zuständigen der Ethikkommission des Nationalverbandes müssen mit ihrem Handeln nun aufzeigen, dass Homophobie genau so schlimm sei wie Rassismus und Antisemitismus. Ebenfalls Massnahmen gegen den Verein hat die französische Sportstaatssekretärin Rama Yade gefordert.

Die Ministerien, der Fussballverband und nicht zuletzt auch „Paris Foot Gay“ sollen nun gemeinsam gegen Homophobie kämpfen, fordert Yoann Lemaire, dass bringe mehr als rechtliche Massnahmen. Erste Schritte in diese Richtung hat „Paris Foot Gay“ laut dem deutschen Nachrichtenmagazin „Spiegel“ schon vor langem eingeleitet: Die Schwulen-Organisation erstellte eine Charta gegen Homophobie, mit welcher sich Fussballclubs offiziell gegen die Diskriminierung von Schwulen, Lesben und Transgender aussprechen können. Aus der ersten Liga haben jedoch bislang nur wenige die Charta unterschrieben, darunter die Clubs Paris Saint-Germain, OGC Nizza und AJ Auxerre.

Während sich die französische Öffentlichkeit empört über die Reaktion des Amateurvereins zeigt, so liess dieser eine etwas fadenscheinige Stellungnahme verbreiten. In einem TV-Interview im vergangenen Jahr – also lange vor dem Outing von Yoann Lemaire – haben sich einige Spieler des FC Chooz negativ über Homosexualität geäussert. Mit dem Ausschluss habe man nun Lemaire vor Problemen mit seinen bisherigen Teamkameraden schützen wollen.

Seit längerem wird öffentlich über Schwule im Profi-Fussball diskutiert, bislang hat sich jedoch niemand getraut, sich zu outen. Bei einer Umfrage unter Profi-Fussballern, Trainern und Schiedsrichtern in England erklärten 27 Prozent der Befragten, dass sie mindestens einen Profi-Spieler kennen, der schwul ist. Das Tabu bleibt weiterhin bestehen – wohl bis sich ein erster Fussballer wirklich getraut öffentlich seine Homosexualität bekannt zugeben.