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DEUTSCHLAND: Diskriminierung im Standesamt
family image(10.08.10/dom) Ein klarer Fall von Diskriminierung: Während die Trauung im Standesamt für Hetero-Paare in ganz Deutschland gesetzlich festgelegte vierzig Euro kostet, so können es für gleichgeschlechtliche Paare im Bundesland Baden-Württemberg, je nach Landkreis, bis zu 300 Euro werden.

Doch dies ist längst nicht der einzige Kritikpunkt, den unter anderem Chris Kühn, der Vorsitzende der "Grünen" in Baden-Württemberg, und auch diverse Gay Organisationen an die Behörden richten: So würde den schwullesbischen Paaren eine Trauung im Standesamt oftmals verwehrt, und sie würden in Hinterzimmer, oder gar in eine Kfz-Zulassungsstelle verbannt. 2009 änderte die Bundesregierung das Personenstandsrecht, und damit sollte erreicht werden, dass die gleichgeschlechtlichen Ehen im Standesamt geschlossen werden - und zwar deutschlandweit. Als die Gesetzesanpassung dann jedoch zum Bundesrat kam, fügte dieser einen zusätzlichen Artikel hinzu, welcher es den einzelnen Bundesländern ermöglicht, die Regeln selber zu bestimmen.

Als einziges Bundesland in Deutschland ist es Baden-Württemberg, welches von dieser Klausel Gebrauch macht. So dürfen die einzelnen Gemeinden die Gebühren selber festlegen, und auch sind für die Trauungszeremonie die Landratszimmer vorgesehen anstelle von den Standesämtern. Da diese Regelung einen grossen Spielraum zulassen, sind auch die Unterschiede zwischen den einzelnen Gemeinden entsprechend weit gefasst - vor allem in Bezug auf die jeweiligen Kosten. So haben Freiburg im Breisgau, Stuttgart und Ulm die Trauungen wie für ganz Deutschland vorgesehen selber in die Standesämter verlegt, auch haben sie die Kosten der bundesweiten Praxis von generell 40 Euro angepasst. Damit stehen sie jedoch alleine da, denn die Schere öffnet sich gewaltig. In Pforzheim kostet eine Trauung für schwullesbische Paare 75 Euro, im Landkreis Sigmaringen 200 und gar eine Abstufung hat der Landkreis Calw eingeführt: Hier zahlt ein gleichgeschlechtliches Paar 85 Euro, und je nach Aufwand, wenn also etwa noch ausländisches Recht angewendet werden muss, können die Kosten bis auf 300 Euro hoch schnellen, wie eine Umfrage der Deutschen Presseagentur aufzeigt.

Grüne-Politiker Chris Kühn, sowie auch der Lesben- und Schwulenverband Deutschland, fordern nun die Beseitigung dieser "beschämenden Ungerechtigkeit". In Zukunft soll die Eheschliessung 40 Euro kosten, egal ob bei einem Hetero- oder einem Homo-Paar. Ausweichend hingegen reagiert Innenminister Heribert Rech (CDU): Es handle sich nicht um eine Diskriminierung, die Kommunen könnten selber entscheiden, ob die die Trauungen ins Standesamt verlegen wollen. Er sieht daher auch keinen Handlungsbedarf.