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BRASILIEN: Oberstes Gericht befürwortet eingetragene Partnerschaften
family image(06.05.11/dom) Ohne Gegenstimme haben sich die Richter des Obersten Gerichts in Sao Paulo dafür ausgesprochen, dass ein Partnerschaftsgesetz für gleichgeschlechtliche Paare eingeführt werden muss. Schwullesbische Paare verdienten unter anderem in Bezug auf die Rente, auf das Erben, sowie auf Alimenten die selben Rechte wie sie Heterosexuelle auch erhalten.

Das Gerichtsurteil vom Donnerstagabend war mehr als eindeutig, zehn der elf Richter sprachen sich für die Einführung der Eingetragenen Partnerschaften aus, bei einer Enthaltung. Dieses Urteil wird bereits als Meilenstein gehandelt, nicht zuletzt deshalb, weil Brasilien jenes Land ist mit den, absolut gesehen, meisten Katholiken weltweit. So war es denn auch die Katholische Kirche, welche im Vorfeld massiv Druck ausübte. Während den Anhörungen im Gerichtssaal stellte sich aber bald heraus, dass die Kirche der einzige Gegner von Eingetragenen Partnerschaften ist. Zahlreiche schwullesbische, wie auch Menschenrechts-Organisationen nutzten die Gunst der Stunde um sich für ihre Anliegen einzusetzen, und dem klaren Abstimmungsresultats nach zu beurteilen, waren sie mit ihren Argumenten äusserst erfolgreich.

In der brasilianischen Verfassung heisst es, dass eine Familie eine "stabile Verbindung zwischen einem Mann und einer Frau" sei. Die Richter liessen jedoch das Argument aus dem Justizministerium gelten, dass es sich dabei um eine Definition handle, und nicht um eine Einschränkung, da es nicht heisse, dass es "nur" zwischen Mann und Frau sein könne. Anders argumentiert natürlich die katholische Kirche: Sie sehen die Zustimmung des Gerichts als Tendenz in Richtung "Polygamie und Inzest".

Der Antrag an das Oberste Gericht kam aus dem Justizministerium, doch es dauerte nun zwei Jahre bis es endlich zur Abstimmung kam. Zudem liegt ein ähnlicher Vorstoss bereits seit rund einem Jahrzehnt im Kongress. Die nun gefällte Entscheidung der obersten Richter ist ein Präzedenzfall und muss nun noch von sämtlichen Institutionen, wie etwa den Standesämtern, in welchen die Registrierung der Partnerschaften stattfinden werden, abgesegnet werden.

Das Urteil wurde vor allem von den Schwulenorganisationen frenetisch gefeiert, denn die vergangenen Jahre sahen eher düster aus für die Schwulen, Lesben und Transgender. Denn, so berichtete etwa "Gay da Bahia", alleine im Jahr 2010 seien rund 260 Schwule bei Hassverbrechen umgekommen - dies entspricht einer Zunahme von 113 Prozent gegenüber von vor fünf Jahren. Diese Entscheidung werde sicher helfen, da LGBTs nun verstärkt im Gesetz verankert sind, und die Täter damit nicht mehr ungestraft davon kommen werden. Dieses positive Urteil werde Auswirkungen auch in andere Felder der Gesetzgebung haben.

In Südamerika kennen bislang Argentinien und die mexikanische Hauptstadt Mexico-City die absolut gleichgestellte Ehe für schwullesbische Paare, während Paraguay und einige Provinzen in Mexiko ein Partnerschaftsgesetz haben. In Kolumbien hat das Oberste Gericht zudem geurteilt, dass gleichgeschlechtliche Paare ebenfalls das Anrecht auf gewisse rechtliche Besserstellungen haben.