(28.06.11/dom)
Es war erst im Mai, als das Oberste Gericht Brasiliens grünes
Licht für ein Partnerschaftsgesetz gab - und nun geht ein
anderes Gericht im Bundesstaat Sao Paulo noch einen Schritt
weiter. Es erlaubt einem schwulen Paar, dass sie ihre
eingetragene Partnerschaft in eine wirkliche Ehe umwandeln
dürfen.
Bereits das Oberste Gericht Brasiliens stoppte kurz vor der
Legalisierung der vollständig gleichgestellten Ehe für
gleichgeschlechtliche Paare. Damals im Mai führten die Richter
ein Partnerschaftsgesetz für schwullesbische Paare ein, welches
ziemlich nahe an die Ehe kam. Richter Fernando Henrique Pinto im
Bundesstaat Sao Paulo machte nun den letzten Schritt und erlaubte einem
Schwulenpaar, dass sie ihre eingetragene Partnerschaft in eine
Ehe umwandeln dürfen. Wie er in der Urteilsbegründung erklärte,
sehe das Oberste Gericht dies ausdrücklich vor. In der
Bundesverfassung stehe als ein Grundrecht, dass in jedem das
Gute unterstützt werde, ohne irgendwelche Diskriminierungen.
Dies beinhalte auch die Wahl nach der eigenen sexuellen
Orientierung. Ein Sprecher des Gerichts erklärte, dass dieses
Urteil ein starkes Signal für das ganze Land sei. Die nun
geschlossene Ehe, sei die erste eines gleichgeschlechtlichen
Paares in Brasilien, schreibt er in seiner Mitteilung weiter.
Sergio Kauffman Sousa und Luiu Andre Moresi waren es, welche
sich an das Bundesgericht in der Stadt Jacarei, rund 85
Kilometer nordöstlich von Sao Paulo wandten, um dort die
gleichgestellte Ehe zu erwirken. Das Urteil kam schliesslich
auch durch etwas merkwürdige Umstände zustande. Es ist normal in
Brasilien, dass sich die Richter vor ihrem Urteil beraten
lassen, etwa durch Bundesanwälte. So war es auch in diesem Fall,
doch, bei der Nationalen Bischofskonferenz ging offenbar
niemand ans Telefon, weshalb deren Haltung nicht in
die Urteilsfindung mit einfloss. Der Bischof hat sich bereits im
Mai zum
Urteil des Obersten Gerichtshofs, sprich zur Einführung des
Partnerschaftsgesetzes, vehement zur Wehr gesetzt, jedoch ohne
etwas ausrichten zu können. Ob sie diesmal mehr Erfolg gehabt
hätten, wenn sie interveniert hätten, bleibt somit unklar.
Die beiden frisch verheirateten Männer zeigten sich jedenfalls
überglücklich. Sie würden immer noch versuchen diesen
historischen Moment verstehen zu können. Sie hätten während
Jahren für ihre Ehe gekämpft, und nun ist es passiert. Jedes
gleichgeschlechtliche Paar habe nun die Möglichkeit es ihnen
gleich zu tun und sich an ein Gericht zu wenden, erklärten sie
weiter. Gleich, als das Partnerschaftsgesetz durch den
Richterspruch eingeführt wurde, haben sie sich registrieren
lassen. Nur zwei Wochen später, am 6. Juni, zogen sie vor
Gericht, um zu erreichen, dass ihre Partnerschaft in eine völlig
gleichgestellte Ehe umgewandelt wird. Dies erreichten sie nun am
Montag.
Die völlig gleichgestellte Ehe gab es in Lateinamerika bislang
in Argentinien (gay.ch
berichtete) und in Mexico City (gay,ch
berichtete). Ein Partnerschaftsgesetz
kennen Uruguay und ein paar Bundesstaaten in Mexico (gay.ch
berichtete), und der
chilenische Präsident hat dem Parlament den Auftrag gegeben (gay.ch
berichtete),
ebenfalls ein solches Gesetz auszuarbeiten. Ebenfalls gewisse
Rechte wurden den schwullesbischen Paaren durch ein
Gerichtsurteil in Kolumbien zugesprochen. |