(25.06.10/dom)
Im Blick am Abend vom 24. Juni veröffentlichte die Zeitung
einen Bericht mit dem Titel "Achtung, Männer, Tunten-Falle!" -
und wir finden, das geht zu weit!
Im Artikel, übrigens schon auf der Titelseite angekündigt,
wird Männermode für den Sommer 2011 nach den Kriterien "schwul"
oder "cool" beurteilt, und es werden Männer vor "Tunten-Fallen"
gewarnt. Dies geht eindeutig zu weit, und in der Gay Community
regt sich Widerstand. So gründete Marco Arn bereits eine
Facebook-Gruppe mit dem Titel
"GAYts no?" (LINK), und die "GaynossInnen" der JUSO Schweiz
haben in der Gruppe angekündigt, nötige Massnahmen zu ergreifen.
Den Bericht kannst Du Dir übrigens auch online anschauen - unter
folgendem Link auf Seite 28/29:
LINK
Nicht im Facebook wird rege über den Artikel diskutiert, sondern
auch im Blog der "Schweizer Illustrierten":
LINK
Stellungnahme des Lifestyle-Redaktors von "Blick am Abend",
Roland Grüter, auf Fragen von gay.ch:
gay.ch: Wie bist Du überhaupt dazu gekommen, einen solchen
Artikel zu veröffentlichen? Hattest Du keine Bedenken?
Internationale Designer brechen im Sommer 2011 altgediente
Männerbilder auf. Sie wollen ihre Kunden zu mehr Mut und
Farbigkeit verführen. Für uns sind Schwule - und das durchaus im
positiven Sinne - Vorreiter, die diese Weisungen schon längst
integriert und umgesetzt haben. Nicht zuletzt deshalb werden
homosexuelle Männer ja
als Trendsetter gelobt und gepriesen. Genau mit diesem Klischee
(und wir sind uns sehr wohl bewusst, dass es eines ist) haben
wir in unserer Modestory gespielt. Natürlich wollen wir damit in
keiner Sekunde Homophobie schüren. Das entspricht in keiner Art
und Weise unserem Weltbild.
gay.ch: Habt ihr diesen Bericht nicht vorher intern
besprochen, und zum Beispiel auch mal Schwule dazu befragt?
Natürlich haben wir die Story besprochen. Wahrscheinlich sehen
wir Schwule zu relaxt, als ganz normaler Teil unserer
Gesellschaft - und haben zu wenig bedacht, dass manche in diesem
Punkt sehr empfindsam sind. Ich bin übrigens selber schwul - und
musste über die Modestory meiner Kollegin sehr schmunzeln. Denn,
wie sich aus der Geschichte selber liest: Die Zeilen waren mit
einem Augenzwinkern geschrieben. Ich fühle mich dadurch weder
diskriminiert noch in Frage gestellt.
gay.ch: Kann "schwul" nicht auch "cool" sein? Woher stammen
die Kriterien für die Beurteilung der Fashion?
Cool oder schwul steht nicht im Gegensatz, das stimmt. Aber wenn
Sie uns schreiben, dass sogar Schwule sich an der Typifizierung
stören: Wie ergeht es denn Heteros mit Modesinn? Genau darauf
wollten wir in unserem Artikel verweisen. Wie gesagt, mit Humor
und Ironie.
gay.ch: Gerade in jüngster Zeit nimmt Homophobie wieder
stärker zu: Findest Du nicht, dass gerade solche Artikel die
Klischees untermauern und die Diskriminierung weiter fördern?
Kann ein Modeartikel Homophobie untermauern? Wir denken nein,
Ihr ja. Schwulenpop, schwule Mode: für uns ist lediglich das
Ausdruck von Lebensfreude, die gängige Rollenverständnisse in
Frage stellt. Man kann es aber auch anders lesen, das wissen wir
nun: Die Wahrheit liegt immer in den Augen des Betrachters.
Roland Grüter stellt sich vor:
Roland Grüter (49) ist Ressortleiter Lifestyle der BLICK-Gruppe
- und bekennender Schwuler. |