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AFRIKA: Erste zaghafte Ankündigungen für LGBTs
family image(27.10.11/dom) Es ist zwar erst ein wirklich zaghafter Schritt, doch in einem Land wie Tunesien, bedeutet dies schon ein echter Fortschritt: Die Würde der Homosexuellen soll bewahrt werden und LGBTs haben quasi ein Recht zu existieren. Auch aus Botswana und Simbabwe sind viel versprechende Stimmen zu hören - gegenteilig ist die Situation einmal mehr in Uganda.

Die Nahda Partei, welche die ersten Wahlen in Tunesien seit der Revolution und der Vertreibung von Präsident Ben Ali gewonnen hat, möchte offenbar durchsetzen, dass Homosexuelle als Bürger anerkannt werden. Was für westliche Länder komisch klingen mag, ist für ein islamisches Land wie Tunesien ein riesiger Schritt vorwärts. Wie Riad Chaibi, ein Sprecher der Nahda Partei, erklärte, wolle man die individuellen Freiheiten der einzelnen Bürger nicht einschränken, und das gehe soweit, dass man die Würde der Homosexuellen anerkenne.

Chaibi, welcher unter Ben Ali selber während fünf Jahren im Gefängnis sass, meinte weiter,  dass die individuellen Freiheiten und die Menschenrechte für alle bewahrt werden müssen. Atheisten und Homosexuelle seien eine Realität in Tunesien, und auch die hätten das Recht zu existieren. Gerade in Bezug auf Homosexualität sei dies auch eine Frage der Würde, denn die Gesellschaft sehe sie schon als minderwertig an. Bislang konnte für Homosexualität eine hohe Haftstrafe verhängt werden. Aus dieser Sicht sind die jetzigen Entwicklungen tatsächlich ein erster Lichtblick und als wahren Fortschritt zu deuten.

Diese zaghaften Ankündigungen sind nicht die einzigen positiven Anzeichen auf dem afrikanischen Kontinent. Sowohl aus Botswana, wie auch aus Simbabwe waren in den vergangenen Tagen positive Stimmen zu hören - beide haben indes nichts mit dem Islam zu tun, doch sollen sie merkliche Verbesserungen für die LGBTs werden. In Botswana forderte jüngst der ehemalige Staatspräsident, Festus Mogae, dass Homosexualität legalisiert werden müsse, nicht zuletzt auch deshalb um die HIV/Aids-Prävention im Land endlich verbessern zu können (gay.ch berichtete). In Simbabwe ist es nun der Premierminister Morgan Tsvangirai, welcher sich gegen Staatspräsident Robert Mugabe stellt, indem er erklärt, dass er die Schwulenrechte in der Verfassung schützen würde, wenn er zum Präsident gewählt würde. Es sei ein sehr kontroverses Thema, erklärte Tsvangirai gegenüber der BBC, aber er hoffe, dass die Freiheit in Bezug auf die sexuelle Orientierung in die Verfassung komme. Für in sei dies ein Menschenrecht. Mit dieser Position erntete er aber massive Kritik: Sowohl Präsident Mugabe wie auch seine Partei richteten scharfe Worte an die Adresse Tsvangirai.

Trotz dieser positiven Stimmen von der Nahda Partei, von Festus Mogae und von Morgan Tsvangirai, gibt es weniger erfreutliche Neuigkeiten aus Uganda. Am Dienstag hat das Parlament in Uganda offenbar darüber bestimmt, dass die Debatte rund um das Anti-Gay-Gesetz wieder eröffnet wird. Mit diesem Gesetz droht den LGBTs eine massive Verschärfung der jetzt schon strengen Gesetze gegen Homosexualität. So könnte neben noch längeren Haftstrafen, auch die Todesstrafe eingeführt werden. Der internationale Druck gegen Uganda ist indes riesig: Zahlreiche Länder wie etwa die USA, UK und auch die gesamte EU haben gedroht, die Entwicklungshilfe zu kürzen oder zu streichen, und auch Sanktionen über das Land zu verhängen (Zum Dossier Uganda).